VOGTLAND BIKE EnduroRace 2015

Es rüttel dich, es schüttelt dich….. on Bike beim VOGTLAND BIKE EnduroRace 2015

von Derrick Schönfelder // 07.August 2015

Endurorennen – der letzte Schrei der Mountainbiker, nur was für tretfaule Abfahrer, gealterte Downhiller oder ängstliche Möchtegern-Poser. Ist dem so?? Der Selbstversuch sollte es zeigen. In Schöneck beim bekannten VOGTLAND BIKE EnduroRace, dem 5.Lauf der diesjährigen Specialized Sram Enduro-Series. Doch weil die europäische Enduroelite dann doch in anderen Zeitzonen unterwegs ist, mutete ich mir nur die Rolle des Vor- oder Testfahrers zu.
Inkognito. Startnummer 000.
Merkmal: Konkurrenzlos unterwegs! (bzw. Außer Konkurrenz…)

Meine Gedanken offerierten mir herausgeputzten Trailspaß, „Rollen lassen“ in Perfektion und somit schnellste Linienführung par excellence. Immerhin war ich der erste bebikte Gast, dem die Eingangstüren zu jeder Wertungsprüfung geöffnet werden sollte.

Unerkannt rollte ich 30 Minuten vor der gemeldeten Enduro-Meute los, um den jungfräulichen Zustand der Stages in Anspruch zu nehmen. Während bei Stage 1 gerade noch die Zeitmessung montiert wurde, rollte ich den ersten Wellen in der Bikewelt entgegen. Ich ließ es langsam angehen. Zumindest bis ich die ersten Querungen des Übungsparcours hinter mir hatte und in die Streckenführung aus Bikepark, Wald- und Wiesenkreuzungen sowie Skihang abbog. Jetzt rüttelte es aber ordentlich am Lenker, am Bike. Links, rechts, rauf, runter – meine Fresse.
Mein Motto „Laufen lassen“ war nach wenigen Metern schon der Devise „Drauf sitzenbleiben.“ gewichen. Schon ordentlich was einem zum Sonntagmorgen auf dem Rad abverlangt und nicht mit einem Beutel frischer Brötchen belohnt wird. Aber noch standen weitere 6 Wertungsprüfungen an – also weiter.

Next Stopp: „Stadtpark“…. zumindest der Name der Wertungsprüfung ließ Fahrspaß erhoffen. Und er erfüllte sich auch. Dichtbewaldete umkurvte man schlangenartig gefühlte tausend Bäume, ehe der Park einen an der Zielflagge ausspuckte. Kurz, aber aufgrund der zahlreichen Richtungswechsel und zugehörigen Schräglagen des Rades dennoch fordernd.
Es folgte ein wahres Feuerwerk an Hindernissen. Holzkonstruktionen, Überfahrten und eine LKW-Sattelauflieger-Durchfahrt in der Schönecker Innenstadt. Garniert mit ordentlich Kopfsteinpflaster sowie Stein- und Metalltreppen. Krass, was man hier alles auf so kurze Entfernung eingebaut hat und was einem ordentlich Körner kostete.

Nach einem weiteren Besuch der Bikeparkstrecken stand der längere Transfer zur Skisprungschanze der Vogtland Arena in Klingenthal an. Einige Kilometer Ruhe, Natur, Wald. Doch dann hörte ich sie. Die hechelnde Meute des Enduro-Starterfeldes tauchte hinter mir auf. Die gut 30 Minuten hatten sie wett gemacht, ihre “Reisegeschwindigkeit“ war gefühlt doppelt so hoch. 30 Minuten?? Nicht schlecht die Jungs & Mädels…
An der Arena angekommen traute ich meinen Augen nicht. Aus gefühlten 100 Meter Höhe stürzte sich die Streckenführung parallel zum Schanzenauslauf hinab. Nur die fehlende Schneeauflage gab mir etwas Sicherheit zurück. Die Wertungsprüfung gestaltete sich als eine Art Deklinierung des „Kompression“- Begriffs. Technisch höchst anspruchsvoll und eng gesteckt bekam man hier eine ordentliche Lektion in Sachen Bikebeherrschung serviert.

Zurück in Schöneck schloss sich der freeridelastige Run durch den Schönecker Steinbruchs an. Flowig, verspielt – ein fahrerischer Traum im Unterholz. Perfekt.

Mit der finalen Wertungsprüfung im Bikepark endete mein Enduroabenteuer. Und als ob es noch einer Bestätigung meiner Meinung über Endurorennen bedurfte, so musste ich hier auf der knapp 1,5 Kilometer langen Strecke den nach mir fahrenden Teilnehmer passieren lassen.
Während er mich an einer Anliegerausfahrt spielerisch umkurvte, hatte ich damit zu tun, mein aufschaukelndes Bike wie einen wilden Hengst zu bändigen. Sein Schulterklopfer inkl. Statement „Gut gefahren.“ im Ziel war der Ritterschlag für mein Enduro-Wochenende.

Tretfaul, gealterte und ängstliche Fahrer? Kann schon sein. Doch richtig schnell waren sie alle – egal ob auf dem Transferstrecken oder den Wertungsprüfungen. Aber noch viel wichtiger war ihnen der Spaß am Rennen, der für viele das reine Rennergebnis in den Schatten stellte.
Eine sympathische und erfrischende Erfahrung bei all‘ dem Leistungsdruck und Wettkampfgedanke unserer Generation. Spaß und Freude als Motto kann man auch dem Veranstalter in Schöneck, dem Vogtland Bike e.V. bescheinigen. Die Jungs & Mädels wissen’s wie’s geht.

Facts
Ergebnisse & Informationen zum MTB-Sport & Radtourismus im Vogtland: www.vogtland-bike.com

D. Schoenfelder

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