Erzgebirge

Stoneman: Testfahrt mit dem Weltmeister

von Johannes Philips

Okay, okay – offiziell eröffnet der sehnsüchtig erwartete „Stoneman Miriquidi“ erst am 24. Mai. Aber weil das Wetter zu gut und die Vorfreude zu groß wurde, haben wir die Strecke kurzerhand mal angetestet. Mit von der Partie: MTB-Trial-Weltmeister Marco Hösel. Der ist hier ohnehin ständig mit seiner BIKEacademy unterwegs und kennt fast jeden Trail in der Gegend. Doch bevor wir uns in die Buckel stürzen, noch die wichtigsten Fakten im Schnelldurchlauf: Den ersten Stoneman-Trail hat der Ex-Mountainbike-Weltmeister Roland Stauder daheim in den Dolomiten etabliert. Auf der Suche nach einer deutschen Strecke hat er sich ins Erzgebirge verguckt und mit dem Tourismusverband alles klar gemacht. Nun steht eine Rundtour ab Oberwiesenthal, die auf 162 Kilometern mit mehr als 4.100 Höhenmetern über die neun höchsten Gipfel auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze führt. Wer sich alle Gipfelstempel an einem einzigen Tag abholt, kann sich über die Stoneman-Trophäe in Gold freuen, wer langsamer fährt bekommt Silber oder Bronze – wie im echten Leben.

Nun also ein kleiner Praxistext, Marco schlägt die Bronzeetappe vom Scheibenberg vor, die gut 85 Kilometer lang ist und auf dem Plešivec endet. Mal sehen, wie weit wir an diesem schönen Apriltag kommen…

Wir starten mit der Auffahrt zum Scheibenberg, der mit 807 Metern ein guter Start zum warmwerden ist (was Marco scheinbar aber nicht nötig hat, so schnell wie der abzieht…). Kaum oben angekommen, geht’s wieder ins Tal in Richtung Markersdorf, es pfeift ein ziemlich kühler Wind aber nach dem Unterbecken vom Pumpspeicherwerk Markersbach ist das schnell vergessen. Denn es geht ooordentlich bergauf: Fast 300 Höhenmeter bis zum Oberbecken ziehen ordentlich an den Waden, aber Marco ist schon wieder außer Sichtweite. Auf dem Friedrichsbachweg hole ich auf und es geht gemütlich durch den Wald bis nach Pöhla und dann weiter nach Rittersgrün. Hier ist der Startschuss für den Gipfelsturm zum Rabenberg und der zieht sich ganz schön und auf 913 Meter Höhe hätte ich mir auch ein bisschen mehr Ausblick versprochen. Kurzes Päuschen, dann will Marco Hösel eine kleine Extratour einschieben. Wenn wir schon mal das sind.

Eigentlich ist das Trailcenter Rabenberg eine eigene Reise wert oder einen Fahrtechnikkurs mit Marco, der hier jede Wurzel kennt. Allerdings ist der schon wieder weg und tobt durch eine stramme Links-Rechts-Kombination. Hinterher: Die Stollen beißen sich im Waldboden, eine Wurzelpassage rüttelt mich durch und dann geht es durch die blühende Wiese ziemlich flowig abwärts. Wirklich nett, aber eigentlich wollten wir doch weiter…?
Nächster Halt: Auersberg. Der ist 1.019 Meter hoch und hat endlich mal eine richtige Aussicht – perfekt für eine Rast und ein bisschen Verschnaufen.

Nun geht es schon Richtung Tschechien. Runter nach Johanngeorgenstadt bei Potucky über die Grenze. Die Strecke hier ist angenehm, Forst- und Waldwege und ehe wir es uns versehen haben wir den Plattenberg erreicht, mit 1.043 Meter der höchste Gipfel des Tages. Schaffen wir den Plessberg noch? Marco meint „Ja“, meine Beine schreien „Njet“ und natürlich fahren wir. Der Anstieg hat es noch mal in sich (vielleicht bin ich auch nur zu knülle), aber der Hit ist die Abfahrt nach Merklín. Hier geht’s 500 Höhenmeter bergab und die Strecke ist technisch nicht ohne – höchste Konzentration!

Das also war die längste Etappe der dreitägigen Bronze-Stoneman-Runde. Abgesehen von unseren Extrarunden auf dem Rabenberg. Marco Hösel ist wenigstens auch ein paar Mal ins Schwitzen geraten und es hat auf jeden Fall ziemlich Laune gemacht. Für die Gold-Runde, also 162 Kilometer an einem Tag, muss ich definitiv noch trainieren, aber bis zum 24. Mai ist ja noch ein bisschen Zeit.

Nähere Informationen unter:

www.erzgebirge-tourismus.de  oder

www.stoneman-miriquidi.de

Johannes Philips

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