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Mystisch schön: Die Mulde bei Kössern

Drei Flüsse – ein Glück: Radeln entlang des Mulderadwegs

Eine kurze Radtour zu beiden Seiten des Muldentals – so war es geplant. Doch vor lauter Überraschungen kommt man hier kaum zum Radeln: Ein idyllisches Dorf aus vergangenen Zeiten, barocke Aha-Erlebnisse und ein Ausflug in die Geschichte der Chemie sind willkommene Bremsgelegenheiten entlang des Mulderadwegs.

Das Grün der Landschaft steckt voller Ruhe. Im Muldental südlich von Grimma scheint das hektische Treiben von Leipzig oder Dresden Lichtjahre entfernt, obwohl es nur ein paar Dutzend Kilometer sind. Egal – die Räder rollen über den Asphalt des Mulderadwegs dahin, zwischen weiten Feldern, fort von der Zwickauer Mulde und über ihre Freiberger Schwester, die sich bei Sermuth vereinen werden. 

Natur pur: Mulderadweg

Foto: Alexander Klich | region.leipzig.travel

Schwarz auf gelbem Grund rast der Ortsname „Kössern“ vorbei. Das Rittergut am Wegesrand entlockt den passierenden Pedaleuren ein erstes „Ooh“ und nur ein paar Ecken weiter folgt auf das „Aah“ eine Vollbremsung. Barock-Alarm! Frisch restauriert steht hier ein Jagdhaus, das man in dem Örtchen nicht erwarten würde. Die Tür zu diesem architektonischen Kleinod steht einladend offen und schon ist der Besucher mittendrin in einer Geschichte voller großer Namen. Der des Sachsenfürsten August der Starke ist dabei, sein Lieblingsbaumeister Daniel Pöppelmann und Wolf Dietrich von Erdmannsdorff, um nur einige zu nennen. Letzterer war Oberhofjägermeister des ersteren und hatte von Zeit zu Zeit die Aufgabe, die höfischen Jagdgesellschaften zu bespaßen – über mehrere Tage, versteht sich. Dafür war sein Rittergut freilich viel zu bescheiden, weshalb er den aufstrebenden Pöppelmann für den Bau eines Jagdhauses verpflichtete. Bedeutsam ist das vor allem darum, weil der Architekt 1711 gemeinsam mit dem Bildhauer Balthasar Permoser in Dresden die Arbeit am Zwinger aufnahm und dort auch die Entwürfe für das Japanische Palais und Schloss Pillnitz lieferte. Besonders sehenswert: der Barocksaal im Obergeschoss. Im edlen Eichenparkett spiegeln sich die hohen Fenster zum Garten und über allem spannt sich ein farbenprächtiges Deckengemälde in Trompe-l’œil-Malerei. Die dargestellten Szenen aus der griechischen Mythologie bleiben im Kopf und wehen erst mit dem Fahrtwind auf dem Mulderadweg wieder davon.

Erstrahlt in neuer Pracht: Rittergut Kössern

Foto: Thomas Braun

Erst Wissenschaft, dann Zeitreise

Nordwestwärts quert der Weg erneut die Mulde und ein Abstecher vom bestens ausgeschilderten Radweg führt nach Großbothen, ein kaum bekanntes Ziel von Rang. Denn was dort heute liebevoll hergerichtet „Wilhelm Ostwald Park“ genannt wird, war einst das Refugium seines bedeutenden Namensgebers. Der forschte um die Wende zum 20. Jahrhundert als Chemiker und für seine Arbeiten etwa zur Katalyse wurde er 1909 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Ab 1901 lebte und arbeitete Wilhelm Ostwald mit Unterbrechungen bis zu seinem Tod im Jahre 1932 hier. In seinem Haus „Energie“ ist heute seine wissenschaftliche Bibliothek mit mehreren zehntausend Bänden zu besichtigen und die historische Laborausstattung erlaubt interessante Einblicke in die Arbeitswelt des Gelehrten. Und von aller wissenschaftlichen Bedeutung einmal abgesehen, ist das gepflegte Anwesen ein perfekter Ort zum Rasten.

Entdeckungen am Mulderadweg: Dorfidylle in Höfgen / Kaditzsch

Foto: Sylvio Dittrich

Zurück auf dem Radweg ruft Grimma mit seiner historischen Innenstadt, doch schon nach wenigen Kilometern wird klar – es wird noch ein wenig dauern. Diesmal stoppen die Radler beim Anblick einer traditionellen Gierseilfähre, wie sie hier schon seit 1513 Mensch und gelegentlich auch Tier mit Muskelkraft übersetzt. Der Radweg muss warten, denn am anderen Ufer scheint die Zeit tatsächlich stehengeblieben. In Höfgen – dem „Dorf der Sinne“ duftet es zwischen schmucken Fachwerkhäusern nach frischem Brot, ein historisches Mühlrad klappert am Fluss und in den Gärten picken Hühner im Gras nach Körnlein. Verzaubert wird diese ländliche Idylle mit Kunstwerken an allen Ecken und Enden. Und spätestens beim Blick auf die Vielfalt der Kulturveranstaltungen im Jahreslauf ist klar: Nur für eine kurze Stippvisite ist hier einfach zu viel los. Es muss ein nächstes Mal in Höfgen geben, doch heute wird es beim Bummel durch die Gassen bleiben, vorbei an der historischen Schiffmühle und nach einer weiteren gemütlichen Fährfahrt geht es wieder in den Sattel, immer den Fluss entlang.

Klosterruine Nimbschen – ein Highlight am Mulderadweg

Foto: Gerhard Weber

Ein Schild am Weg weist zum Kloster Nimbschen. Was war dort nochmal? Fast einen Radelkilometer braucht es bis zur erlösenden Eingebung: Luther! Oder besser: seine bessere Hälfte Katharina von Bora. Sie lebte vor ihrer Ehe als Nonne in Nimbschen. Vom Kloster zeugt heute nur mehr eine Ruine, aber für eine romantische Erinnerung an längst vergangene Zeiten genügt das allemal. Noch ein Merker für die Rückfahrt, doch wer weiß, welche Überraschungen noch in Grimma warten…

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