Blick auf den Lilienstein

von Annegret Schmidt

Als leidenschaftliche Hobbyfotografin bin ich immer auf der Suche nach den schönsten Fotomotiven. Eine regelrechte Jagd ist es, wenn ich draußen in der Natur unterwegs bin und das frische Grün, den Morgentau und hier und da einen Marienkäfer oder ein Pfauenauge mit meiner Kamera einfange. Das alles geschieht zum Leidwesen meines Mannes. Er ist ebenso gern wie ich draußen in der Natur, aber er will vorwärts kommen und einen sonnigen Tag nicht nur durch die Linse der Kamera erleben. Folglich fiel uns die Urlaubsplanung im vergangenen Jahr nicht ganz so leicht. Letztlich entschieden wir uns für eine Radreise von Prag nach Dresden. Zwei kulturell vielversprechende Städte, die nur fünf Etappen mit dem Fahrrad trennen. Zugegebenermaßen sind wir nicht täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Deshalb buchten wir alle erdenklichen Erleichterungen, die eine solche Radreise umfassen kann: Unser Gepäck wurde von Unterkunft zu Unterkunft gebracht. Zudem entschieden wir uns für Mieträder. Das erleichterte uns die Anreise und garantierte uns eine regelmäßige Wartung, die unsere eigenen Fahrräder viel zu selten erleben… Nicht zuletzt umfasste die Pauschalreise auch die Buchung der Unterkünfte. Wir sind keine klassischen Camper und freuen uns in unserem Alter über frische Betten, deren Matratzen uns ruhige Nächte ermöglichen.

Gesagt, getan, die Radreise von Prag nach Dresden war gebucht. Wir reisten nach Dresden, von wo aus wir per Sammeltransfer zusammen mit einem weiteren, äußerst sympathischen Ehepaar nach Prag gelangten. Der Fahrer kannte die Strecke aus dem „Effeff“ und so erreichten wir schon bald die „Goldene Stadt“, die wir am darauffolgenden Tag zu Fuß mit gezückter Kamera erkundeten. Wir spazierten von unserem Hotel aus zur Moldau, blieben auf der Kleinseite und genossen den Blick auf die vielen Brücken, für die die Stadt ebenso bekannt ist wie für den Hradschin. Die Prager Burg erreichten wir zusammen mit einigen anderen internationalen Gästen der Stadt. Vom Burgberg aus genossen wir den Blick über die roten Dächer Prags. Es muss herrlich gewesen sein, hier zu regieren. Zumindest konnten wir es uns gut vorstellen. Von den Touristenströmen ließen wir uns treiben – dagegen anzuschwimmen wäre uns zu anstrengend gewesen. Wir gelangten geradewegs über die Karlsbrücke, auf der einige Künstler Stadtansichten zauberten oder Karikaturen mit viel zu großen Augen, Nasen und Ohren anfertigten. Den Nachmittag verbrachten wir in der Altstadt und ließen uns die Klassiker – das Rathaus, die Teynkirche und den Wenzelsplatz – nicht entgehen. Bei böhmischem Bier und Gulasch mit Knödeln fand unser Stadtrundgang einen wunderbaren Ausklang.

Die Kamera konnte über Nacht laden und auch wir hatten eine erholsame Nacht. Frisch und munter fühlten wir uns, bereit unsere Radreise bei bestem Sonnenschein anzutreten. Unsere Fahrräder standen bereit, das Gepäck hatten wir abgegeben und so radelten wir los. Wir verließen die tschechische Landeshauptstadt in Richtung Norden und folgten der Moldau durch verträumte Dörfer bis zur Mündung in die Elbe bei Melnik. Die 55 Kilometer empfanden wir als angenehm und erlaubten uns am späten Nachmittag noch einen Bummel durch die Stadt und hinauf zum Schlossberg. Es bot sich uns ein wunderbarer Blick auf den Zusammenfluss der beiden Flüsse, eine eindrucksvolle Szenerie.

Am Tag darauf radelten wir von Melnik nach Leitmeritz. Über Roudnice, dessen Schloss über der Stadt thront, gelangten wir in die einstige Festungsstadt Terezin (Theresienstadt). Ein mulmiges Gefühl kam bei uns auf, als wir uns genauer informierten und erfuhren, dass die Festung, die einst zum Schutz gegen die Preußen errichtet worden war, ab 1940 als Sammellager für „unerwünschte Personen“ genutzt wurde. Weiter führte uns der Elberadweg nach Litomeřice. Der bunte Marktplatz im denkmalgeschützten Stadtzentrum sorgte bei uns für Aufmunterung. Wir schlenderten noch eine Weile durch die Altstadt und entdeckten das Kelchhaus. Mit Blick auf den St. Stephansdom ließen wir unsere müden Beine baumeln. Die Kamera ruhte an diesem Tag sehr oft.

Nach einer erholsamen Nacht ging es für uns schließlich weiter nach Dĕčín. Der Elbe folgten wir zunächst nach Usti nad Labem, rechtselbisch thront die Burgruine Schreckenstein über dem Wasser. Einst ließ sich hier Richard Wagner zu seiner Oper Tannhäuser inspirieren. Und auch Ludwig Richter und Caspar David Friedrich müssen einst auf der Burg gewesen sein, schließlich hielten sie ihre Eindrücke in romantischen Gemälden fest. Auch unsere Fantasie beflügelte die Burgruine. Wir verweilten noch ein bisschen unterhalb der Burg und setzten unsere Radreise dann nach Dĕčín fort. Das Barockschloss besichtigten wir zu Fuß und auch durch den Rosengarten lustwandelten wir ein wenig. Hier konnte ich mich mit meiner Kamera wunderbar austoben…

Ein wenig bewölkt zeigte sich der Himmel zu Beginn unserer vorletzten Radtour von Dĕčín nach Bad Schandau. Wir erreichten die Böhmische Schweiz und überquerten bei Schöna die Grenze. Auf deutschem Boden radelten wir durch die Sächsische Schweiz. Eindrucksvoll erhoben sich links und rechts zerklüftete Sandsteinfelsen. Auch einen Blick auf das Schrammsteinmassiv konnten wir erhaschen. Die Festung Königstein und den Lilienstein erahnten wir in der Ferne. In Bad Schandau setzten wir per Fähre auf die andere Elbseite über, um unser Hotel zu beziehen. Da sich die Etappe mit 21 Kilometern als überraschend kurz herausstellte, schlenderten wir noch ein wenig durch das hübsche kleine Städtchen an der Elbe und verbrachten den eher verregneten Nachmittag in der Therme unweit unseres Hotels.

Von Bad Schandau aus radelten wir schließlich weiter vorbei an der Festung Königstein und der rechtselbisch gelegenen Bastei immer am Elbufer entlang bis nach Pillnitz. Hier schuf sich August der Starke eine prachtvolle Sommeranlage bestehend aus einem farbenfrohen Schloss im Stile der Chinoiserie und einem weitläufigen Park, der hübsch bepflanzt wurde. Dresden, das sogenannte Elbflorenz, empfing uns mit reichlich Sonnenschein, der die barocken Sandsteinbauten zum Leuchten brachte. Hier konnte ich meine Kamera auf Hochtouren bringen. Nach einer kleinen abschließenden Radtour durch das Stadtzentrum, erreichten wir unsere letzte Unterkunft. Ein wenig wehmütig, aber dafür mit einer gut belegten Speicherkarte meiner Kamera reisten wir am darauffolgenden Tag aus Dresden ab. Die Mieträder, die uns treu gedient hatten, konnten wir einfach im Hotel stehen lassen. Uns wurde klar: So macht Radreisen Spaß. So können wir wieder Urlaub machen!

Unsere Radreise von Prag nach Dresden haben wir bei dem Reiseveranstalter AugustusTours gebucht. Wir wurden gut beraten und erlebten eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung der Buchung. Die Reiseunterlagen erreichten uns noch vor Reisebeginn und den Gepäcktransport empfanden wir als wunderbare Erleichterung. Es radelte sich so unheimlich entspannt!

TMGS-Bloggerin Susann

2 Kommentare

  1. Der Elbe-Radweg ist wirklich ein Genuss für Radfahrer, ich bin von Dresden aus in die andere Richtung gefahren und konnte die gesamte Strecke in und auch nach Dresden gemütlich an der Elbe entlang radeln.

    Macht wirklich Spaß und man bekommt eine Menge zu sehen.

    MfG Jamie

    • Hallo Jamie,
      da können wir dir voll und ganz zustimmen! Vom Elberadweg kann eine spektakuläre Naturlandschaft, bizzare Felsformationen und historische Bauten entdecken werden – ein wirklich wahrer Genuss für Radfahrer!
      Liebe Grüße, das Frischluft Team

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