Zu Gast im Reich des Fuchses

Drei-Teiche-Tour

von Johannes Philips

„Du immer mit deinen Fahrradgeschichten“, hatte Mutter gesagt – „für mich ist das wirklich nichts.“ Aber dieses Mal habe ich nicht locker gelassen bis wir zusammen in der S-Bahn saßen. Zwei Stationen vor Königstein schüttelte Mutter immer noch den Kopf. Vielleicht fragte sie sich, wie sie sich nur breitschlagen lassen konnte. Oder wie um alles in der Welt sie mit diesem schweren Rad durch die Sächsische Schweiz kommen sollte…
Vergnügt schmunzle ich in mich hinein, denn ich habe natürlich für Mama ein E-Bike besorgt. Damit sollte sie schon Spaß bekommen – wie viel, war mir zu dem Zeitpunkt aber noch nicht klar.
Ich hatte mich für die „Drei-Teiche-Tour“ entschieden, eine 40-Kilometer-Runde vom und zum Königsteiner Markt. Dort erkläre ich meiner Muter die Plus- und Minustaste für die Motorsteuerung ihres E-Bikes und dann schwingen wir uns in den Sattel. Natürlich verzichte ich auf Elektrounterstützung und fahre voraus in Richtung Bielatal. Wir sind noch nicht aus dem Ort heraus und Mutter hat schon ihre helle Freude mit den beiden Tasten am Lenker. Wir radeln gemütlich unterhalb der Festung Königstein an der alten Papierfabrik im Ortsteil Hütten vorbei. Dann steht „Cunnersdorf“ auf den Wegweisern und die Straße macht, was sie hier gerne tut: ansteigen. Keine große Sache für mich, ein paar Schweißperlchen auf der Stirn. „Musst du so trödeln, Johannes?“ Mutter lacht und zischt vorbei. Muss das wirklich sein?
An der Ladewegbrücke verlassen wir die Straße und folgen dem Lampertsbach im Schatten bis zum Neuteich, der allerdings heute kaum Wasser führt. Eine kurze Rast gönnen wir uns trotzdem, die ich offenbar nötiger brauche als Mutter. Bald erreichen wir den Brandweg und schon kommt Teich Nummer zwo in Sicht. Der naturbelassene Fuchsteich ist wirklich idyllisch gelegen. Baden ist hier nicht möglich, auch wenn ich schon ziemlich ins schwitzen gekommen bin. Mutter ist bester Stimmung und hat sich längst in ihr Leihfahrrad verliebt. „Stromesel“ nennt sie es und nascht eine Olive mit Parmesanfüllung aus unserem Proviant.
Genau wie der Taubenteich, der dritte Namensgeber der Tour, wurde der Fuchsteich wohl im 16. Jahrhundert von Holzfällern angelegt. Denn die Bachläufe in der Gegend führten zum Flößen der Baumstämme zu wenig Wasser, weshalb man diese Teiche aufstaute. War genug Holz geschlagen, ließ man das Wasser ab und beförderte das geschlagene Holz mit einer großen Welle ins Tal.
Am Taubenteich voller Fische radeln wir vorbei und dann wird es wirklich steil. Ich gehe aus dem Sattel und mein Mütterchen drückt zwei oder dreimal ihre Plus-Taste. Dann zieht sie winkend vorbei. Im Sitzen. So hatte ich mir das nicht gedacht!
Oben wartet sie auf mich und – wenigstens das – steht auch ihr etwas Schweiß auf der Stirn. Der herrliche Blick auf den Großen Zschirnstein stimmt mich allerdings gleich wieder milde. Zumal nach kurzer Oliven-Ciabatta-Rast eine gemütliche Bergab-Strecke nach Krippen vor uns liegt. Hier hatte Caspar David Friedrich ein Refugium, von dem er seine Streifzüge unternahm und zahllose Skizzen und Ideen mitbrachte.
Wir plaudern über gemeinsame Museumsbesuche, dich ich als Kind nicht so sehr mochte und gemütlich geht es dann am Elberadweg wieder in Richtung Königstein. Die mächtige Burg schiebt sich ins Bild und Mutter sagt: „Das machen wir mal wieder“, oder?“
Ich sage „mal sehen“ und denke: Aber nur mit zwei E-Bikes…

Hier gibt es Informationen und eine Karte zur Drei-Teiche-Tour.

 

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