Kuhstall

von Veronika Jacobi

Alle Jubeljahre schaue ich bei den Dresdner Kunstsammlungen vorbei und jedes Mal bleibe ich bei CDF hängen, bei Caspar David Friedrich und seinen Landschaften. Manche finden sie kitschig, aber ich mag sie sehr. Dieses Mal verlasse ich das Museum aber schnell, fast „fluchtartig“. Warum? Weil mich die Lust auf eine kleine Wanderung packt und ich denke: „Warum eigentlich nicht?“ Noch ganz in Museumslaune, kommt eigentlich nur der Malerweg in Frage. Welche Etappe? Augen zu, und: Kirnitzschtal! Klar, das passt und eine Stunde später gings in Altendorf los. Durch die Dorfbachklamm führt der Weg es erstmal bergab ins Kirnitzschtal und immer wieder sehe sich jene „verwunschenen Ecken“, die man auch auf den Bildern der sächsischen Romantiker findet. Bemooste Felsspalten, dürre Kiefern, die unerklärlicherweise aus irgendwelchen Ritzen sprießen … herrlich! Dem Flößersteig folge ich bis zur Ostrauer Mühle und dann kommen schon die Schrammsteine in Sicht. Der Elbleitenweg führt mitten hinein in dieses wilde Felsenlabyrinth. Die eisernen Leitern und Stiegen zur Schrammsteinaussicht lassen in mir Kindheitserinnerungen wach werden: Was haben wir diese Samstagsausflüge „irgendwas mit Leitern und Kraxeln“ geliebt! Als ich oben in die Runde schaue, bedaure ich Caspar David Friedrich. Er hatte diesen Blick nie genießen können, weil die touristischen Steige erst viel später ausgebaut wurden. Wieviel Inspiration für seine Bilder hätte er hier finden können…? Weiter über den Zurückesteig. Durch den kleinen Dom, am Sandloch vorbei komme ich auf über den Zeughausweg und den Unteren Affensteinweg, bis sich schließlich der Lichtenhainer Wasserfall ins Bild schiebt. Der tröpfelt wie eh und je nur wenig beeindruckend. Kein Wunder, dass er auf keinem Bild von CDF zu sehen ist. Trotzdem ist der Wasserfall der klassische Start für den Weg zum Kuhstall, der ebenfalls so ein Kindheitserinnerungsthema ist. Jedes Mal hörten wir hier andere Geschichten von Bauern, die ihre Tiere hier oben vor den Schweden verstecken wollten – oder vor wem auch immer. Und jedes Mal war es anders aufregend. Mein Mini-Picknick gönne ich mir an der gleichen Stelle wie früher, der Ausblick ist unverändert traumhaft. Wie gemalt. Man sollte wirklich öfter ins Museum gehen…

 

Kurzinformation zum Malerweg, 4.Etappe:
Strecke: 17,6km
Dauer: 7 Stunden
Höhenmeter: 464 Meter
Schwierigkeit: mäßig schwierig bis anspruchsvoll
Weitere Informationen unter:  www.malerweg.de
Veronika Jacobi

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