Westwerk Mauer Leipzig

In Leipzig auf dem Weg – vom „bunten“ Westen und Luthers Wirken

 

Ob Völkerschlachtdenkmal, Auerbachs Keller, das Grassi Museum oder Leipziger Disputation – die alte Messestadt Leipzig ist berühmt für seine historische Altstadt und seine ehemaligen illustren Einwohner und Wirkenden wie Goethe, Schiller, Johann Sebastian Bach oder Luther. Die klassischen Sehenswürdigkeiten sind ohne Frage sehenswert, dennoch lohnt sich auch der Blick auf andere Ecken Leipzigs, die einen kompletten Kontrast zum historischen Zentrum bilden und andererseits urbanes Flair eines „Klein-Berlin“ versprühen. Zu dem sogenannten „weltweiten Instagram Walk“, zu dem sich Blogger, Fotografen, Instagrammer trafen, habe ich daher die Chance genutzt, mehr über Leipzigs Westen zu erfahren und zu erkunden. Im Rahmen der Tour – ein mehrstündiger Rundgang – gab es Spannendes zu sehen. Kommt mit!

Startpunkt ist der Stattpark am Lindenauer Markt(Lützener Strasse), den ihr bequem mit der Straßenbahn aus Richtung Zentrum erreichen könnt. Unser Rundgang beginnt an der Installation „Schilderwald“ des Künstlers K. Madlowski, die ihr nicht verfehlen könnt. Von dort brechen wir zu unserem ersten Ziel auf:

Kulturwarenfabrik Leipzig

Foto: Mandy Decker

 1. Das Tapetenwerk und die Kulturwarenfabrik

Von aussen wirkt das alte Backsteingebäude des Tapetenwerks eher unscheinbar, verbirgt aber einen interessanten Hinterhof. Die historische Fabrikanlage aus der Gründerzeit ist Treffpunkt für Künstler; Architekten und Kreative, die hier freien Raum für neue Ideen und Konzepte finden. Neben einer Werkstatt für Longboards, befindet sich auf dem Gelände ein Coworking Space sowie kleine Cafés. Regelmäßig finden außerdem Ausstellungen oder Rundgänge statt. Für Fotografiebegeisterte bietet das Areal tolle Fotomotive, aber auch für einen kurzen Blick lohnt sich der Weg bis in den Hinterhof.

Tapetenwerk Leipzig

Foto: Mandy Decker

2. Karl-Heine-Strasse / Westwerk

Nach dem ersten Stop schlendern wir weiter zur nahegelegenen Karl-Heine-Strasse, die den Stadtteil Plagwitz mit Lindenau verbindet. In den letzten Jahren hat sich die Strasse und das Viertel zu einem hippen und alternativen Szenetreff entwickelt. Neben dem Westwerk, in dem verschiedene Ausstellungen, aber auch Flohmärkte oder Bio-Märkte stattfinden, und dessen Werksgelände wir besonders ausgiebig fotografisch erkunden, bietet die Karl-Heine Strasse hübsche, kleine mit viel Liebe zum Detail eingerichtete Cafés und Kneipen. Der perfekte Ort um eine Pause einzulegen! Den besten Latte Macciato gibt es beispielsweise im Café Albert, entweder zum Mitnehmen oder direkt zum Genießen vor Ort. Außerdem kann ich euch das Kaiserbad empfehlen, dass direkt am Karl-Heine Kanal auf dem Gelände des Westwerks liegt. Draußen herrscht hier im Sommer nette Biergarten-Atmosphäre, innen überzeugen urbaner Industrie-Chic und eine kreative, gemütliche Atmosphäre.

Westwerk Leipzig

Foto: Mandy Decker

 3. Karl-Heine-Kanal

Von da ist es wirklich nur ein Katzensprung hinunter zum Karl-Heine-Kanal, ein künstlich angelegter Kanal, der den Lindenauer Hafen mit der Weißen Elster verbindet.

Sehr beliebt ist in den warmen Sommermonaten das Erkunden des Karl-Heine-Kanals und der angrenzenden Viertel mit dem Kanu oder Kajak. Aber auch ein Spaziergang oder eine Fahrradtour entlang des Kanals ist reizvoll. Am Stelzenhaus vorbei, geht es zu guter Letzt zur alten Baumwollspinnerei am Rande des Stadtteils Lindenau. Auf dem Weg beobachten wir verschiedene Grafitti-Künstler bei der Arbeit an Häuserfassaden und Mauern, die extra dafür vorgesehen sind.

Leipzig Westen Spinnerei

Foto: Mandy Decker

4. Die alte Baumwollspinnerei

Vorbei am Plagwitzer S-Bahnhof erreichen wir schließlich die alte Spinnerei, die 1884 gegründet wurde und sich zur größten Baumwollspinnerei in Europa entwickelte. Das riesige Werksgelände versprüht auch heute noch alten Industrie-Charme und erinnert mich teilweise sehr an New York oder Berlin. Heute wird das Areal vor allem künstlerisch und gastronomisch genutzt. Von der Fahrradschmiede Generator, der Denkerschmiede Spin Lab bis hin zu Werkstätten und unterschiedlichen Künstlerateliers und Galerien – hier besteht genügend Raum für kreative Köpfe. Leider haben diese am heutigen Sonntag, nicht geöffnet, so dass uns ein Blick ins Innere verwehrt bleibt. Nichtsdestotrotz genießen wir die letzten warmen Sonnenstrahlen und freuen uns über den gelungenen Tag mit Gleichgesinnten.

Wer nun laufmüde ist, kann von der Spinnerei aus mit der S-Bahn vom Plagwitzer Bahnhof zurück ins Zentrum von Leipzig fahren. Obwohl wir nur drei große Stops eingelegt haben, verging der Tag wie im Flug. Wir brauchten acht Stunden, insgesamt kann man die Route aber innerhalb von 2-4 Stunden zu Fuß bewältigen. Je nachdem wie viel Zeit man sich an den jeweiligen Punkten lässt. Eine weitere Idee: Den Rundgang könnte man zudem mit einer Kanu,- oder Fahrradtour verbinden.

 

Noch mehr Lust auf Leipzig? … Dann auf zu

Kirchentage auf dem Weg „Musik. Disput. Leben.“ / 25. bis 28. Mai 2017, Leipzig

Der Deutsche Evangelische Kirchentag wird anlässlich des Reformationsjubiläums in Berlin stattfinden. Wittenberg ist der Veranstaltungsort des großen Abschlussgottesdienstes. Laientreffen finden an sechs weiteren wichtigen Orten der Reformation statt. Leipzig gehört dazu. Der „Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig steht unter dem Motto „Musik. Disput. Leben“. Er stellt den widerständigen Geist der Stadt und ihre reiche musikalische Tradition in den Fokus.

Was mit der Leipziger Disputation begann, fand auch in der führenden Rolle Leipzigs bei der Überwindung des DDR-Regimes noch einen Nachklang. Und Leipzig ist auch die Stadt Bachs, der wie kein anderer Luthers Gedanken und Texte in Musik fasste. Und so wird der musizierende Protestantismus mit Universitätsmusik, Thomanerchor und Posaunenchören zu hören sein.

Thomanerchor vor der Leipziger Thomaskirche

Foto: Peter Hirth

„Kirchentag auf dem Weg“ in Leipzig heißt auch, den Blickwinkel zu wechseln. So kann man die Stadt auf dem Wasser oder zu Fuß entdecken, an der größten Kaffeetafel Leipzigs Platz nehmen oder in der lebendigen Kultur- und Kneipenszene ins Gespräch kommen – ganz im Sinne des „Leipziger Stadtklangs: Musik. Disput. Leben“.

Auf die Besucher warten insgesamt rund 400 Veranstaltungen an 100 Veranstaltungsorten. Höhepunkte sind eine Performance mit dem Namen „Zum Licht“ und ein Konzert mit 10.000 Bläsern auf dem Augustusplatz.

Die Stadt Leipzig war 1519 Austragungsort einer öffentlichen, hitzigen und wortgewaltigen Disputation zwischen Luther und seinem romtreuen Gegner Johannes Eck. Diese theologi-sche Auseinandersetzung über Ablass und Papsttum führte im Ergebnis endgültig zum Bruch Luthers mit Rom. Fast 500 Jahre später wird die Disputation auf den Straßen Leipzigs noch einmal zu erleben sein.

Weitere Informationen zu den „Kirchentagen auf dem Weg.“

 

Mandy Decker
Mandy Decker

Ein Kommentar

  1. Pingback: 7 Tipps für Regentage in und rund um Leipzig – Frischluft. Der Aktiv-Blog.

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