Kajakfahrer auf der Mulde

Kajaktour auf der Zwickauer Mulde

von Karina Wendt

Als ich mich und meine Freunde für die Kajaktour auf der Zwickauer Mulde angemeldet hatte, war ich absolut optimistisch gewesen. Immerhin habe ich ja schon mehrfach in einem Kanu gesessen. So viel anders konnte das in einem Kajak ja nun nicht sein. Ich hatte mir also eine entspannte Fahrt auf einem kleinen Flüsschen in Sachsen ausgemalt. Gemütliches Flussabwärts-Paddeln eben.

Dass das in der Realität gegebenenfalls anders aussehen könnte, merkte ich in dem Moment in dem wir unsere Einweisung für die Kajaks erhielten. Das erste Mal fiel das Wort „kentern“ als uns erklärt wurde, wie wir bestmöglich in die kleinen Boote einsteigen sollten, ohne direkt komplett nass zu werden.

Danach folgte eine sehr ausführliche Beschreibung der vor uns liegenden 8km langen Strecke zwischen Waldenburg und Wolkenburg. Das klang in etwa so: „Erstmal paddelt ihr hier gemütlich flussabwärts. Nach der zweiten Kurve rechts, müsst ihr euch dann links halten. Dann seht ihr schon die ersten Stromschnellen – die sind ganz witzig. Nehmt immer die Stellen mit den hohen Wellen, nicht die kleinen – und versucht gar nicht erst schneller als die Strömung zu paddeln. Lieber ein wenig langsamer sein. Wenn ihr dann die ersten Stromschnellen hinter euch habt, kommt ein großer Baumstamm, den umfahrt ihr links…“. Diese Erklärung hörte gefühlt erst nach 5 Minuten auf. Jeder, der sich schon einmal einen Weg erklären lassen hat, kennt vermutlich dieses Gefühl, wenn man irgendwann den Faden verliert und aufhört sich zu merken, ob das nun rechts oder links oder was-auch-immer war. Genau so, ging es mir mit unserer Wegbeschreibung. Kein Wunder also, dass ich schon beim Einsteigen zwar noch wusste, dass irgendwann irgendwo eine Insel kommen würde, aber bereits zu dem Zeitpunkt keinen blassen Schimmer mehr hatte, ob ich diese nun besser rechts oder links umfahren sollte. Fakt war: es schien zahlreiche Stellen zu geben, an denen es uns problemlos möglich sein würde zu kentern.

Aber bevor ich mir das so richtig durch den Kopf gehen lassen konnte, saß ich auch schon im Kajak und war auf dem Weg nach Wolkenburg. Der Einstieg ins Kajak verlief noch problemlos – uns wurde netterweise auch geholfen. Bereits kurz danach begann der spannende Teil der Fahrt. Zwar saß ich ja – wie erwähnt – schon mal in einem Kanu, jedoch musste ich bisher nie lenken. Geübte Kajakfahrer ahnen was nun kommt… es dauerte keine 10 Meter, da hatte sich unser Kajak nach einem ersten wilden Zick-Zack-Kurs komplett gedreht und da die Zwickauer Mulde nicht allzu viel Wasser führte, steckten wir auch direkt an der ersten flachen Stelle fest. Prost Mahlzeit – immerhin haben wir’s geschafft ohne zu kentern irgendwann wieder weiter zu fahren.

 

Kurze Zeit später hatten wir das mit dem Lenken dann auch einigermaßen im Griff. Was auch besser war, denn schon warteten die ersten Stromschnellen auf uns. Stromschnellen auf der Zwickauer Mulde… ich fand’s ja ein wenig witzig, als ich das das erste Mal hörte. Sagen wir mal: für ungeübte Kajakfahrer wie mich, haben es diese kleinen Stromschnellen trotzdem in sich. Während aus den anderen Kajaks die ersten aussteigen mussten, um ihr Boot wieder in tiefere Gewässer zu setzen, haben wir die Hindernisse meist gut überwunden. Nichtsdestotrotz war ich nach kürzester Zeit pitschnass. Das lag a) an den fehlenden Gummipfropfen am Paddel und b) daran, dass man als Hintermann nicht nur die eigenen Spritzer, sondern auch die vom Vordermann abbekommt.

Auf so einer Fahrt auf der Zwickauer Mulde gibt’s für Naturliebhaber übrigens auch einiges zu sehen. Mit ein wenig Glück gibt es wohl Biber zu entdecken (das Glück hatten wir leider nicht). Eisvögel schwirren nah am Ufer entlang und auch sonst ist die Natur an diesem Flüsschen wirklich schön anzusehen.

Nach einigen weiteren Stromschnellen, die wir teilweise rückwärts genommen haben, wenn unsere Lenkkünste doch mal wieder versagten, gelangten wir dann an ein kleines Wehr, wo wir das Kajak umtragen mussten. Danach wurde der Weg deutlich entspannter. Glücklicherweise kam auch ab und an mal die Sonne durch die Wolken hindurch. Die meiste Zeit der Tour, sah das Wetter eher nach Wolkenbruch aus – der sich aber netterweise Zeit ließ, bis wir wieder sicher am Auto angekommen waren.

Und das haben wir nach ca. 2 Stunden Kajaktour auch geschafft. Die Veranstalter haben uns in Wolkenburg abgeholt. Dort konnten wir uns erstmal umziehen (was dringend notwendig war), bevor wir dann zurück nach Waldenburg zum Auto gefahren wurden.

Wenn du auch Lust hast eine solche Tour zu machen, solltest du folgendes beachten:

  • Unbedingt Wechselsachen mitnehmen (und damit meine ich alles: Hose, Schuhe und ja… auch Unterwäsche)!
  • Für die Wertsachen stellt der Veranstalter eine wasserdichte Tonne zur Verfügung. Alles was man nicht unbedingt benötigt, sollte besser nicht mitgenommen werden. Kentern geht auf der Strecke tatsächlich schnell.
  • Körperliche Fitness sollte vorhanden sein. Mir taten während der Tour die Arme ordentlich weh. Der große Muskelkater am nächsten Tag blieb aber erstaunlicherweise aus.
  • Kostenpunkt: 15 Euro für Erwachsene + 3 Euro Transfer

Mein Fazit zur Kajaktour auf der Zwickauer Mulde fällt eindeutig aus: Wenn du Lust auf ein kleines Outdoor-Abenteuer mitten in Sachsen hast, solltest du das unbedingt mal ausprobieren. Die Stromschnellen sorgen für ausreichend Action während der Tour und bei einigermaßen gutem Wetter ist es auch nicht dramatisch, wenn man am Ende des Ausflugs pitschnass aus dem Kajak steigt. Nachmachen wird eindeutig empfohlen!

Karina Wendt

3 Kommentare

  1. Hallo,

    ich habe deinen Bericht gelesen und es klingt so, als hättet ihr viel Spaß auf der Tour gehabt!
    Wo kann man sowas denn buchen?
    Ich bin auf der Suche nach einem Tagesausflug für unsere Berufsschulklasse, 3. Lehrjahr, letzter Schultag.
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

    Danke !

  2. Eine wunderbare Tour, die wir ähnlich auch gemacht haben. Es war vor 3 Wochen zwar saukalt, aber dafür haben wir einen tollen Sonnentag erwischt und die Natur genießen können. Für Schulklassen kann ich die Tour sehr empfehlen!

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