Wanderkarten zeichnen

Handgemalte Wanderkarten in Bad Schandau

von Monika Meurer

Über die @safttante sind wir auf ein weiteres ungewöhnliches und seltenes Handwerk aufmerksam geworden: Wanderkarten malen. In Bad Schandau gibt es wohl Deutschlands einzigen Wanderkartenmaler: Dr. Böhm – und wir haben ihn besucht.

Zunächst sieht es in seinem Büro so aus wie in vielen anderen Büros. Schränke mit Büchern, Regale mit Papieren, Computer und viele Schubladen. In der Mitte vom Büro steht ein riesiger Tisch. Am Fenster ein Schreibtisch mit einem alten Radio auf dem Fensterbrett. Nichts ungewöhnliches.

Dann kommt auch schon Dr. Böhm. Etwas chaotisch, aber sehr liebenswert. In den folgenden zwei Stunden fragen wir ihm Löcher in den Bauch und philosophieren über die verschiedensten Themen. Aber hauptsächlich geht es ja um die wunderschön gezeichneten Wanderkarten.

Am Anfag steht eine alte Karte. Die wird kopiert und in kleinere Abschnitte eingeteilt. Mit diesen kleinen Abschnitten – seinen Feldkarten – geht Dr. Böhm ins Gelände. Er geht tatsächlich jeden Weg, der auf der Karte eingezeichnet ist, ab. Was für eine Arbeit. Auf dem Weg markiert er jede Abzweigung, jeden Graben, Zäune, Mauern, Wanderschilder und was ihm wichtig erscheint.

Er verbindet Tradition mit Moderne, indem er einen GPS-Tracker benutzt. So kann er den zurückgelegten Weg mit der Karte abgleichen.

Wenn er alle Informationen zusammengetragen hat, beginnt das eigentliche Zeichnen. Akribisch wird jeder Strich, jeder Pfad und jeder Felsbrocken auf die Karte übertragen. Mit altem Zeichengerät wie Federn und Tusche entsteht so Lage für Lage und Schicht für Schicht. Vertun darf man sich dabei nicht, weil ein Ausbessern sehr schwer bis unmöglich ist.

Später werden die Beschriftungen angefertigt und dann wird noch ein Titelbild erstellt.

Eine wahnsinnig aufwendige Arbeit. Kein Wunder, dass er nur eine Karte im Jahr anfertigt. Nach etwa 20 Jahren überarbeitet er aber auch seine eigenen Karten wieder, weil sich in der Zeit sehr viel verändert hat. Kahlschläge sind wieder bewachsen. Wege sind verschwunden. Neue Wege sind entstanden.

Seine Werke sind voller Kleinigkeiten. Bemerkenswerte Einzelbäume sind eingezeichnet und sogar die Standorte von Wanderschildern. In jeder Karte befindet sich ein ‚Männle‘. Seitdem er mal eins für seine Tochter zum Geburtstag in eine Karte gemalt hat, erwarten die Kartenkäufer das jetzt bei jeder Karte. Viel Spaß beim Suchen!!

Wir hätten uns solche Wanderkarten bei unseren Wanderausflügen der letzten Wochen gewünscht. Dann hätten wir uns vielleicht auch nicht verlaufen. Etwas genaueres als diese Karten gibt es wohl nicht. Schade nur, dass auch dieses Handwerk ausstirbt, weil Dr. Böhm wohl der letzte seiner Art ist…

Fotos: achimmeurer.com

Sachsen Tourismus

Ein Kommentar

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