Wanderung durch die Sächsische Schweiz

November im Elbsandsteingebirge – Der Jahresabschluss des DAV Sektion Guben e.V.

Beitrag eingereicht von Anne Philipp

Das Jahr 2013 neigte sich seinem Ende entgegen, was uns Grund genug war, in der Sächsischen Schweiz zusammenzukommen und das Jahr gemeinsam ausklingen zu lassen. An einem Freitag trafen sich daher Mitglieder, Freunde und Bekannte sowie zwei vierbeinige Begleiter in der Ochelbaude zwischen Bad Schandau und Hohnstein. In dieser Gegend befinden sich Ausgangspunkte in viele bekannte Wandergebiete der Sächsischen Schweiz, zum Beispiel in das Polenz-, Sebnitz- und das Schwarzbachtal. Die Ochelbaude selbst ist eine gemütliche Herberge mit ganz eigenem Charme. Die großen Mehrbettzimmer, Sanitäre Räume, die Gemeinschaftsküche sowie ein großer Mehrzweckraum mit Ofen (naheliegende Sitzplätze waren insbesondere bei den Damen, wortwörtlich, heiß begehrt!) ließen keine Wünsche offen. Nachdem am Freitagabend alle Betten mit Handtüchern – oder waren es Schlafsäcke?! – belegt wurden, konnte das Wochenende mit interessanten Reiseberichten über Sri Lanka und die Zugspitze eröffnet werden. Der Anblick der sonnigen Urlaubsbilder ließ insgeheim sicher etwas Sehnsucht aufkommen, zeigte sich das heimische Wetter doch eher unfreundlich. Die große Küche fand rege Nutzung, das Abendessen ging bei so manchem Anwesenden nahtlos in einen Abendsnack mit alkoholischer Begleitung über. Es wurde gelacht, geschwatzt, Karten gespielt, das ein oder andere Gläschen Bier oder Wein konsumiert, sodass ohne Einschränkungen festgehalten werden kann: Schon der erste Abend war ein schönes Erlebnis. Der Samstagmorgen begann – trotz gewissenhaft geleerter Teller und Gläser am Vorabend – regnerisch und grau. Das Aufstehen wirkte vereinzelt gequält, das Frühstück zog sich etwas länger, die Auswahl der richtigen Kleidung wurde heiß diskutiert... Pünktlich mit den ersten zarten Sonnenstrahlen des Tages (zumindest sahen die Wolken etwas heller aus) waren dann aber alle startbereit und die Tagestour ins Polenztal konnte beginnen. Motiviert setzte sich unser Trüppchen in Bewegung. Das bessere Wetter ließ uns zügig vorankommen, die Stimmung wurde mit jeder Bewegung besser. So schlecht war das Wetter ja nicht mehr! Das erste Stück führte uns direkt an der Polenz entlang. Schon hier konnte man erkennen, dass die Landschaft der Sächsischen Schweiz auch in dieser grauen Jahreszeit ihren Reiz hat. Wie es sich für Mitglieder und Freunde des Alpenvereins gehört, waren wir jedoch nicht für einen entspannten Spaziergang am Fluss angereist. So führte uns der Weg schon sehr bald sehr steil gen Himmel – Zumindest ging es über Felsen und Stufen aufwärts. Leider hatte wieder Regen eingesetzt, sodass so manche Felsstufe zur Herausforderung wurde. Unser erstes Zwischenziel war der Brand, ein südlich von Hohnstein gelegenes Felsplateau. Die 177m Höhenunterschied zur Polenz wurden erfolgreich überwunden und so standen wir schließlich auf dem „Balkon der Sächsischen Schweiz“. Diesen Titel hat sich der Brand, dessen Name sich von früheren Waldbränden ableitet, durchaus verdient: Dem Wanderer bietet sich eine herrliche Aussicht auf weite Teile der Sächsischen Schweiz und des Osterzgebirges. Zu sehen sind unter anderem die Felsen bei Rathen mit der Bastei, der Lilienstein mit der Festung Königstein dahinter, die Spitzen des Wilisch, des Geisings und des Sattelberges (Erzg.). In der Ferne schimmert ein Bogen der Elbe, weiter links liegen der Pfaffenstein, der Gohrischstein, die Nollendorfer Höhe, der Schneeberg und einige weitere. Diese Aussicht zählt damit zu den berühmtesten der Sächsischen Schweiz und wurde bereits 1801 erstmals touristisch erwähnt. Von alldem sahen wir – nicht viel! Nachdem wir den Aufstieg im Regen absolviert hatten, zeigte sich Petrus nämlich weiterhin bockig und verhüllte diese berühmte Aussicht in Nebel und Nieselregen. So blieb uns nur die Möglichkeit, auf ein heißes Getränk in der Brand-Baude einzukehren. Diese gemütliche Bergwirtschaft befindet sich direkt auf dem Brandplateau und bot uns durchnässten Wanderern ein warmes Plätzchen am Kamin. Frisch gestärkt und getrocknet machten wir uns nach kurzer Zeit wieder auf den Weg. Unser eigentliches Mittagsziel war schließlich noch nicht erreicht. Vom Brand abwärts folgten wir dem Malerweg, einer historischen Route, die ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis in das 20. Jahrhundert hinein maßgeblich die Sächsische Schweiz erschloss. Künstler wie Caspar David Friedrich, Anton Graff, Carl Gustav Carus und Johann Christian Dahl hielten ihre Bewunderung für die Landschaft in zahlreichen Gemälden fest, was dem Malerweg seinen Namen gab. Auch heute noch ist er einer der Hauptwanderwege des Elbsandsteingebirges und erstreckt sich über 112 km Länge und ca. 4.000 Höhenmeter. Für uns bedeutete dieser historisch-künstlerische Weg vor allem eines: Treppenstufen! Viele Treppenstufen! Genauer gesagt hatten wir über 800 Stufen in den Tiefen Grund zu bewältigen. Der anhaltende Regen und die hohe Luftfeuchtigkeit machten den Abstieg an einigen Stellen zu einem kleinen Abenteuer. Unten angelangt konnte man Oberschenkelmuskeln und Knie aufatmen hören, der Blick nach oben flößte durchaus Respekt ein. Wir folgten nun etwa 300 Meter der Straße aufwärts, bis der Malerweg nach rechts auf einen kleinen Pfad abbog. Dieser führte – es mag nicht jeden gefreut haben – ebenso steil nach oben, wie wir gerade erst abgestiegen waren. Das kleine Dörfchen Waitzdorf, welches unser eigentliches Mittagsziel sein sollte, liegt auf gleicher Höhe mit dem Brand. Für unsere bereits beanspruchten Beine hieß es nun also, 800 Stufen wieder hinaufzusteigen. Schnaufend und leicht transpirierend erreichten wir schließlich Waitzdorf, eine 40-Seelen-Gemeinde mit fast 600-jähriger Vergangenheit. Die Waitzdorfer Schänke erschien uns schon fast zu schön um wahr zu sein, bot sie uns doch einen warmen und trockenen Platz zur Rast. Das Gebäude wurde 1699 in der Sensen-Duell-Sage erstmals erwähnt und hat sein Bild bis heute weitestgehend erhalten. Auch wir empfanden den Speiseraum schon fast als historisch. Die ersten Seiten der Karte ließen die allgemeine Vorfreude auf das Mittagessen immer größer werden: „Sie können sicher sein, dass Sie keine Mikrowellen-Gerichte erhalten, da wir keine Mikrowelle besitzen“. Das klang vielversprechend! Eine Besonderheit Waitzdorfs ist seine Galloway-Zucht. Diese schottischen Hochlandrinder sind eine Fleischrinderrasse und werden hier seit 1991 ganzjährig in Freihaltung gehalten. Aktuell besteht die Herde aus ca. 35 Tieren. Unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Zwischen Galloway-Roulade, Ente, Bratkartoffeln, Klößen und allerlei leckerem Gemüse blieb kein Platz für Geschnatter, so lecker waren alle Speisen! Die Stärkung tat allen gut, die Kleidung konnte trocknen und ein allgemeines Gefühl der Zufriedenheit machte sich breit. Leider hat die spätherbstliche Jahreszeit einen Nachteil: Es wird sehr schnell dunkel. Aus diesem Grund mussten wir die behagliche Umgebung der Waitzdorfer Schänke recht schnell wieder verlassen und den Heimweg Richtung Ochelbaude antreten. Dieser führte uns – was für eine Überraschung – die 800 Stufen wieder abwärts. Frisch gestärkt schienen unsere Beine jedoch wie von selbst zu laufen und wir erreichten schnell die Straße. Dieser folgten wir dann bis zu unserer Herberge zurück, die uns nach diesem nassen und trüben Tag angenehm heimelig begrüßte. Der gemeinsame Abend wurde dann mit einem Reisebericht über China eingeläutet, der zumindest nicht wegen dem auf den Bildern erkennbaren Wetter neidisch machte. Dankbar über das trockene und warme Plätzchen in der Ochelbaude verbrachten wir einen schönen Abend beisammen. Es wurde wieder gelacht, geschwatzt, Karten gespielt und das ein oder andere Gläschen Bier oder Wein genossen. Auch die ein oder andere Tour im neuen Jahr wurde bereits heiß diskutiert. Alles in allem war es ein schöner Abschluss eines doch schönen Tages (es gibt schließlich kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!) Die Abreise am Sonntag ging gemütlich vonstatten. Die Zimmer wurden auf- und ausgeräumt, Autos gepackt und dann hieß es auch schon Abschied nehmen…

Avatar
Sachsen Tourismus

  Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.