Rainer Weisflog

Auf Zweiradtour um Moritzburg – Radeln auf dem Kleinkuppenweg

Der Frühling lockt uns nach draußen! Beste Zeit also, sich mal wieder auf den Sattel zu schwingen und in die Pedale zu treten! Für eine aussichtsreiche Fahrradtour eignet sich Moritzburg nordwestlich von Dresden hervorragend. Auf der Rundtour durch die Moritzburger Kulturlandschaft gibt es auf 20 Kilometern für große und kleine Natur- und Kulturliebhaber eine Menge zu erleben, denn der Weg führt euch über leicht hügelige Abschnitte, schattige Wald- und sonnige Feldwege und hin zu märchenhaften Schlössern.

Dreh- und Angelpunkt der Kulturlandschaft - Schloss MoritzburgFoto: Franco Cogoli

 

Kleine Kuppen, schmale Schienen

Die Tour durch die „Kleinkuppenlandschaft“ beginnt in Moritzburg. Die Region hat sich den Namen durch ihre vielen kleinen Hügelkuppen, die auf- und abgeradelt werden können, verdient. Am Bahnhof der Lößnitzgrundbahn ist euer Startpunkt. Hier hält die Schmalspurbahn „Lößnitzdackel“ der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft. Sie eignet sich perfekt zur Anreise, denn ihr könnt eure Fahrräder ohne Einschränkungen auf schmaler Spur mitnehmen. Moritzburg lässt sich so problemlos aus Richtung Radebeul Ost oder dem entgegengesetzten Radeburg erreichen.

Mit der Lößnitgrundbahn Moritzburg erkundenFoto: Lars Neumann

Übrigens: zur Osterzeit nimmt der Osterhasenexpress Familien mit auf einen Ausflug. Eine Dampfzugfahrt mit anschließendem Aufenthalt an der Osterwiese bietet Spaß für Eltern und Kinder. Die gemeinsame Ostereiersuche mit „Maxi Möhre“ ist dabei ein besonderes Highlight.
Wer auf den Regionalverkehr zurückgreifen möchte, kann seit Kurzem die neu Buslinie M zur Anreise nutzen. Diese verkehrt als Direktlinie zwischen Meißen und Moritzburg.

Auf Oster-Dampflokfahrt mit Maxi MöhreFoto: Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft

Dem Edelstein der Lüfte auf der Spur

Seid ihr vom Bahnhof losgeradelt, verlasst ihr recht schnell Moritzburg und fahrt über einen leicht welligen Feldweg in das erste Waldstück der Route. Atmet tief durch und genießt den Duft der Bäume im Frühling. Vorbei geht es am Langen Berg zum Unteren Altenteich. Nehmt euch einen Moment Zeit, rastet und beobachtet die Vogelvielfalt des Teiches. Vielleicht erblickt ihr einen der heimischen Graureiher, Kormoran oder sogar einen seltenen Eisvogel. Ihn werdet ihr schnell erkennen, denn sein Gefieder glänzt in der Sonne wie ein Edelstein. Die Fahrt geht weiter in Richtung Waldrand, wo sich euch ein wunderbarer Ausblick über die Kleinkuppenlandschaft hin bis zu den Ausläufern des Lausitzer Berglandes bietet.

Mit etwas Glück auch in Moritzburg zu entdecken: der EisvogelFoto: Lubos Houska

Das sind Panoramen der Moritzburger Teichlandschaft deren Schönheit schon prägende Persönlichkeiten des deutschen Expressionismus einfingen. So reiste die Künstlergruppe „BRÜCKE“, bestehend aus Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, und Karl Schmidt-Rottluff Anfang des 20. Jahrhunderts in ier Region, um ihre Kunst zu verwirklichen. Auch der bekannte Expressionist Max Pechstein stieß hinzu und hielt die Gegend um Moritzburg in seinen Werken fest. Den Pfaden der Künstler könnt ihr noch heute durch die Moritzburger Kulturlandschaft folgen – auf Wandertouren etwa um den Schlossteich oder den südlich gelegenen Dippelsdorfer Teich.

LößnitzgrundbahnFoto: Christian Sacher

Kaffeezeit am Wasserschloss

Durch den Ort Bärwalde geradelt, gelangt ihr bald nach Berbisdorf, das idyllisch eingebettet in der Kleinkuppenlandschaft liegt. Wahrzeichen des Dorfes ist das altertümliche Wasserschloss und die dazugehörige Dorfkirche. Im Café des Schlosses könnt ihr bei leckerem Kaffee und Kuchen die Beine ausstrecken und kurz verschnaufen. Das Betreiberpärchen erzählt euch gerne etwas über die Schlossgeschichte. Dazu gehört auch die begonnene Sanierung, nachdem das Schloss im Sommer 2013 versteigert wurde und zuvor jahrelang leer stand. Für euch geht es dann weiter in Richtung Bärnsdorf. Nun seid ihr auf dem letzten Viertel der Strecke, bevor ihr wieder Moritzburg erreicht.

Das Barockschloss MoritzburgFoto: Sylvio Dittrich

Ein Schloss kommt selten allein

Schon bald überquert ihr den Moritzburger Großteich und erreicht das zauberhafte Fasanenschlösschen. Die im Stil des Rokokos erbaute Sommerresidenz des Königs Friedrich August I. dient heute als Museum, in dem ihr die extravaganten Möbel, Tapeten und Accessoires des Renaissance-Adels bewundern könnt.
Auf dem Weg zurück nach Moritzburg liegt die 1770 erbaute Churfürstliche Waldschänke, in der es sich vorzüglich einkehren lässt. Die Speisen in dem denkmalgeschützten Hotel und Restaurant spiegeln die Tradition und Jagdkultur der Region wider.

Pittoreske königliche Sommerresidenz von einst: das Fasanenschlösschen in MoritzburgFoto: Rainer Weisflog

Nur ein paar Radminuten entfernt liegt das majestätische Jagdschloss „Schloss Moritzburg“ auf einer künstlichen Insel umgeben vom Schlossteich. Auch hier taucht ihr tief ein in Sachsens Historie. Schaut euch unbedingt das Innere des Schlosses an! Ihr erhaltet spannende Einblicke in das königliche Leben des 17. und 18. Jahrhunderts. Beeindrucken ist beispielsweise der Steinsaal. Der an sich recht klar gehaltene hohe Raum ist von oben bis unten mit Jagdtrophäen aus der Zeit August des Starken dekoriert.

Oder ihr blickt in verschiedene Prunkräume, die mit Silbermöbeln und einzigartigen Jagdwaffen ausgestattet sind. Derzeit beeindruckt eine Schau mit barocken Ledertapeten: In der Sonderausstellung „Tapetenwechsel – Das Goldene Leder im Schloss Moritzburg“ erlebt ihr noch bis 3. November 2019 Inneneinrichtung der Extraklasse. August der Starke ließ beim Umbau des Schlosses im 18. Jahrhundert aufwendige Goldledermuster aus Venedig und den Niederlanden in allen 60 Gästeräumen anbringen. Trotz einiger verlorener Stücke wird auf Schloss Moritzburg die einstige Pracht mit Ergänzungstapeten aus dem polnischen Königsschloss Wawel und dem Deutschen Tapetenmuseum Kassel wunderbar präsentiert. Falls ihr werktags unterwegs seid, könnt ihr den fleißigen Restauratoren bei ihrer Arbeit über die Schulte schauen, wenn sie in einem der Gästezimmer eine Tapete restaurieren.

Wilde Entdeckungen

Wieder an der Frühlingsluft, lohnt sich ein Abstecher zum Wildgehege im Schlosspark. Hier gibt es mehr als 30 überwiegend heimische Arten, die in naturgemäßen und artgerechten Gehegen zu bestaunen sind. Highlights sind hier vor allem die Wölfe, Luchse, Elche und das Rot- und Damwild, die den Park mit Leben füllen. Neben geführten Rundgängen bietet der Park, je nach Jahreszeit, „Wolfsnächte“, Ausflüge zur Hirschbrunft und weitere Spezialführungen an. Vor allem für Kinder ist ein Besuch eine wertvolle Erfahrung.

Das Wildgehege Moritzburg bietet beste Möglichkeiten für TierbeobachtungenFoto: Staatsbetrieb Sachsenforst

Rösserland

Nach den vielen Abstechern seid ihr nun auf der Zielgeraden – und doch gibt es noch mehr zu erleben. Am Ausgang des Schlosses kommt ihr am Landgestüt Moritzburg vorbei. Hier werden Zuchthengste gehalten und regelmäßig Reitsportturniere ausgetragen. Im Frühjahr findet die Verkaufspferdewoche statt, bei der die edlen Geschöpfe für Spring-, Dressur- und Vielseitigkeitsreiten von Interessenten erworben werden können. Im Sommer steht die Konzertveranstaltung „Musik und Hengste“ auf dem Plan und im Herbst zeigen sich Ross und Reiter bei den alljährlichen Hengstparaden in voller Pracht.

Ein imposantes Spektakel - die Hengstparaden des Landgestüt MoritzburgFoto: Landgestüt Moritzburg

Die Rundtour führt euch wieder zurück zum Bahnhof, von wo aus ihr entspannt und um viele Eindrücke reicher mit der Lößnitzgrundbahn nach Hause dampft.

Alle einsteigen! Die Lößnitzgrundbahn bringt euch heim.Foto: Martin Schmidt

TMGS-Blogger Tom
TMGS-Blogger Tom

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