Elbtour auf Luthers Spuren

von Johannes Philips

Ich habe mich mal wieder auf den Weg gemacht. Temperaturen im hohen einstelligen Bereich – das muss nach der Winterpause reichen. In Meißen geht es dieses Mal los und der fast wolkenlose Himmel sagt mir: guter Plan! Das Weinland mit den Rebenterrassen kenne ich gut und deshalb gebe ich erstmal Gas am Elberadweg Richtung Riesa. Dort ist das Land flacher und langsam führt der Weg in Richtung Luther-Land. Doch vorher: ein kleiner Abstecher in die noch frühere Geschichte Sachsens, auf den hübschen Marktplatz von Strehla. Wo heute das Städtchen liegt, erleichterte einst eine Furt die Querung der Elbe. Reger Handelsverkehr führte wohl im Jahr 1002 zur Gründung von Strehla und auch der berühmte Jakobsweg nach Santiago de Compostela passiert die Stadt, wo Pilger auch heute noch unter dem Zeichen der Jakobsmuschel ein Nachtlager finden.

Doch die Räder wollen sich weiterdrehen und der Wind meint es gut in den Flussauen. Schon kommt die moderne Autobrücke nach Mühlberg in den Blick. Mühlberg? Da war doch auch mal was… Die Jahreszahl 1547 schwirrt durch meinen Kopf und da ist es wieder: die „Schlacht bei Mühlberg.“ Geschichtsunterricht Klasse acht oder so. Ging nicht gut aus für die sächsischen Protestanten unter Kurfürst Johann Friedrich I., die es mit der dreifachen Streitmacht des katholischen Kaisers aufnehmen wollten. Aber trotz dieser Niederlage – langfristig setzten sich die Protestanten durch in Sachsen. Deshalb passiere ich die Brücke ins Brandenburgische nicht und rolle weiter in Richtung Torgau. Belgern bleibt heute links liegen, denn den mächtigen Roland vor dem Rathaus kenne ich schon – und das ungemütliche Kopfsteinpflaster der Altstadt auch. Die Schlussetappe nach Torgau beginnt und als zum ersten Mal Schloss Hartenfels auftaucht, wächst die Vorfreude beim Geschichtsradler.

Stolz ragt der Renaissance-Bau über der Stadt empor. Hier – und nicht in Wittenberg oder auf der Wartburg – wurden die politischen Weichen für die Reformation Martin Luthers gestellt. Denn der fand im Torgau des 16. Jahrhunderts mächtige Verbündete in den sächsischen Kurfürsten auf Hartenfels. Das Renaissanceschloss zählt zu den schönsten seiner Art und wurde unlängst nochmals renoviert, sodass der Schlosshof hinter dem – tatsächlich bewohnten – Bärengraben ein umwerfendes Bild bietet. Am reich verzierten „Großen Wendelstein“ aus Sandstein sammeln sich die Fotografen. Ich stelle mich dazu und ziehe mein Handy aus der Tasche. Ein Erinnerungsbild muss schon sein.

Fotos: TMGS/ Achim Meurer

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Johannes Philips

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