Radfahren am Elberadweg

Seerosen-Magie und Fasanengesang im Sächsischen Elbland

von Paul Bartsch

„Wenn der Tag erwacht und sich der Nebel über den Teichen hebt – das ist der Traum“, hatte Roland Taubinger versprochen – und ich will’s jetzt wissen. Der Chef vom „Gut Wildberg“ wäre am liebsten selbst mitgekommen, aber es fehlt die Zeit und so wiederholt er für mich beim wirklich frühen Frühstück die wichtigsten Orientierungspunkte. Von Seerosen ist dabei die Rede, auch von Fasanen und einem Leuchtturm.

Vom gepflasterten Gutshof rolle ich bergab in Richtung Elbe und quere den Strom auf der stählernen Eisenbahnbrücke von Niederwartha. Der Elberadweg ist zur frühen Stunde fast menschenleer bis auf ein paar Jogger sind und Senioren mit Hund. Die frische Morgenluft ist ein Geschenk und langsam steigt die Sonne hinter den Weinbergen am rechten Flussufer auf. Ich muss ein wenig Gas geben, in zehn Minuten soll der „Lößnitzdackel“ starten und zweifellos wird die historische Dampfeisenbahn das auch ohne einen trödelnden Radfahrer tun. Am Radebeuler Haltepunkt „Weißes Roß“ tönt das Schnaufen und Quietschen schon lange bevor der Zug am Bahnsteig hält. Das Fahrrad hat jetzt Pause und es beginnt eine nostalgische Fahrt durch Sachsens Weinland – hinein in die einstigen Jagdgründe der Wettiner, deren Fürstengeschlecht hier über Jahrhunderte das Zepter schwang. In Bärnsdorf schwinge ich mich wieder in den Sattel und erobere den Friedewald, den die jagdwütigen Sachsenfürsten einst trockenlegen und das Wasser in Teichen sammeln ließen. Das einstige Jagdrevier ist heute ein Paradies für Naturradler, die sich gern von „barocken Momenten“ überraschen lassen. So etwa am Fasanenschlösschens neben dem Niederen Großteich. Hier höre ich zum ersten Mal die Schreie der Fasanen, lange bevor die ersten Spaziergänger und Radfahrer hier ihre Picknickbrote auspacken. Ein Traum! Wildberg-Hotelier Taubinger hat nicht zuviel versprochen. Neben dem Barockschlösschen bestimmt ein nautisch nutzloser Leuchtturm die Seekulisse, weil die Edelleute hier Seeschlachten nachzuspielen pflegten. Romantisch und auch ein bisschen schräg, finde ich.

Ein paar Waldkilometer weiter lugt erstmals das Jagdschloss Moritzburg durch die Blätter. Zum Glück führt die empfohlene Route rund um den ganzen Teich und über die Schlossinsel, sodass die Radler das Schmuckstück aus vielen Perspektiven genießen können. Durch den Wald geht es gemütlich retour in Richtung Elbe. Auf halber Strecke, meinte Roland Taubinger, dürfe man den Seerosenteich nicht verpassen. Tatsächlich öffnet sich – gar nicht weit abseits vom breiten Radweg – ein wunderbar verwunschener Ort. Aus der geplanten Rast werden ungestörte Stunden im Angesicht zarter Seerosen, wie sie Monet nicht schöner hätte malen können. Was für ein Tag…

Fotos: TMGS/Achim Meurer

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TMGS-Bloggerin Susann

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