Dog Trekking in Altenberg

Auf Dog Trekking Tour in Altenberg

von Karina Wendt

Winter. Das ist ehrlicherweise nicht unbedingt meine Jahreszeit. Schnee mag ich ganz gern – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er sich in seiner vollen weißen Pracht in den Bergen befindet und nicht in Form von grauem Schneematsch inmitten einer Großstadt. In Sachsen haben wir das große Glück mit dem Erzgebirge und der Sächsischen Schweiz ein paar sehr schöne Mittelgebirge zu haben, in denen man den Schnee im Winter so richtig genießen kann.

Ein ganz besonderes Wintererlebnis im Osterzgebirge war für mich die Dog Trekking Tour in Altenberg. Dazu muss ich sagen, dass ich, seit ich denken kann, riesige Angst vor Hunden habe. Ich kann nicht sagen woher diese Angst kommt. Soweit ich mich erinnern kann, war sie irgendwie schon immer da und da es für mich keine Berührungspunkte mit Hunden gab, hab ich auch nie etwas gegen diese Angst unternommen. Bis zu dem Tag, an dem ich beschloss mir selbst eine Dog Trekking Tour zu buchen und somit quasi meine eigene Konfrontationstherapie in Angriff zu nehmen.

Das mag ziemlich bescheuert klingen, aber als ich die Beschreibung für diese Tour gelesen habe, konnte ich einfach nicht anders. Das sah so toll aus! Und das klang so schön. Ich wollte es einfach mal probieren. Aber, was ist eine Dog Trekking Tour genau? Im Prinzip ist es nichts anderes, als eine ausgiebige Wanderung, bei der jeweils ein Wanderer und ein Schlittenhund ein Team bilden. Verbunden durch einen Bauchgurt, stapft dieses Team gemeinsam für ein paar Stunden fröhlich durch den Schnee im Osterzgebirge. Klingt vielleicht unspektakulär, ist aber wirklich toll.

Angekommen in Altenberg holte mich der Tourguide am Treffpunkt ab und fragte mich nach meiner Erfahrung mit Hunden. Auf meine Antwort, dass ich sogar Angst vor Hunden hätte, reagierte er verständlicherweise leicht irritiert. Aber… er hat die Situation mit mir und den Hunden wirklich grandios gemanagt. Gemeinsam sind wir zu seinem Auto gelaufen, in dem die Hunde schon fröhlich auf uns warteten. Bereits auf dem Weg dorthin hat er mir die ersten wichtigen Informationen zu den Samojeden (dieser besonderen Art der Schlittenhunde) gegeben und sich dann viel Zeit gelassen, um einen Hund nach dem anderen aus dem Auto zu lassen und mir vorzustellen.

Es dauerte nicht lange, eh ich diese flauschigen weißen Wollknäule absolut in mein Herz geschlossen hatte. Ich wurde von den Hunden freundlich begrüßt, bevor sie fröhlich über die Wiese tollten. Vor denen konnte ich auch wirklich keine Angst haben! Während die drei Samojeden fröhlich um uns herum tobten, habe ich vom Guide bereits weitere Erklärungen zur bevorstehenden Wanderung erhalten.

Wenig später ging es dann auch schon los: den Hunden wurde ihr (maßgefertigtes) Geschirr angezogen – und mir der Bauchgurt, mit dem ich über eine Leine mit zwei Hunden verbunden wurde. Die Leithündin Jule und ihre Tochter Fee bildeten mein Trekking-Team. Der Guide selbst war mit Apollo unterwegs, einem Samojeden mit sehr – sagen wir mal – gemütlichem Gemüt.
Ich fand es vor der Tour schwierig mir vorzustellen, wie es wohl sein würde von zwei Hunden „gezogen“ durch die verschneite Landschaft zu laufen. Am besten kann ich es mit einem stetigen Zug nach vorn beschreiben, der aber überhaupt nicht unangenehm war, sondern genau richtig. Irgendwie hatte ich vorher vermutet, dass der Zug zweier Hunde deutlich stärker wäre. Aber die beiden haben sich perfekt auf mich abgestimmt.

Während der Wanderung hat mir der Tourguide geduldig meine Fragen beantwortet und mir wahnsinnig viel über die Samojeden, die Geschichte dieser Hunde, Schlittenhunde im Allgemeinen, andere Schlittenhunde-Arten und noch ganz vielen Themen erzählt.
Die Samojeden wurden im Westen Sibiriens gezüchtet. Besonderes Merkmal ist ihr wunderschönes weißes bis cremefarbenes Fell. In Sibirien wurden diese Hunde als Arbeitshunde, Hütehunde und Schlittenhunde genutzt. Sie lebten schon immer in enger Gemeinschaft mit den Menschen, durften mit in den Hütten wohnen und dienten so oft auch als natürliche Bettwärmer.

Auf unserer Tour waren wir in etwa 800 Meter Höhe unterwegs. Ab und an zogen Langläufer an uns vorbei, während wir mit den Hunden durch das Schneetreiben wanderten. Von verschiedenen Aussichtspunkten aus hatten wir einen schönen Ausblick bis hinüber nach Tschechien.

Es mag ein kurios klingen, aber einer der faszinierendsten Momente dieser Tour war der, in dem ich auf dem Eis, was sich unter der Schneedecke gebildet hatte, ausrutschte. Ich hätte vermutet, dass die Samojeden einfach weiter laufen würden und mich im schlimmsten Fall noch ein Stück hinter sich her ziehen. Doch stattdessen blickten mit zwei besorgte Paar Hundeaugen an, als ich mich nach meinem Sturz wieder gefangen hatte. Mein Trekking-Team hatte direkt Kehrt gemacht, um bei mir nach dem Rechten zu schauen. Der Kommentar des Tourguides war eindeutig: „Sie sind noch keine Stunde hier, aber bereits ins Rudel aufgenommen.“ Das haben mich die Hunde in jedem Fall spüren lassen.

Nachdem wir etwa zwei Stunden gewandert waren, schlug das Wetter ein um und es zog ein Schneesturm auf. Der Wind peitschte uns unangenehm ins Gesicht, Schneeflocken krochen heimlich über die Kapuze in den Wintermantel – und dennoch habe ich jeden Moment der 3stündigen Tour mit den Hunden sehr genossen.

Erst später, als ich mich wieder auf den Weg zu meinem Auto machte, habe ich überhaupt bemerkt, wie sehr mich die Hunde vorher beim Wandern unterstützt hatten. Ich war ganz schön am Schwitzen und Keuchen, als ich ohne Hunde die 200m den Hügel hinauf in Richtung Auto laufen musste…

Dieser Tag mit den Samojeden, war für mich ein einmaliges Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Meine Angst vor Hunden ist mit Sicherheit noch nicht ganz weg – aber in jedem Fall bin ich im Umgang mit diesen Tieren etwas entspannter geworden.
Es war einfach wahnsinnig schön den Tag in der Natur zu verbringen und den tollen Charakter dieser Tiere hautnah erleben zu dürfen. Die Trekking-Tour mit den Samojeden kann ich absolut empfehlen.

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Karina Wendt

Ein Kommentar

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