Winterlich in der Oberlausitz

Der Schönste im ganzen Land

von Johannes Philips

„Warum erst jetzt?“ habe ich mich gefragt, als ich von der Nominierung des Oberlausitzer Bergwegs las. Bei der Wahl zum „Schönsten Wanderweg Deutschlands“ konkurriert er 2015 mit vier weiteren Routen – aber die dürften keine Chance haben. Finde ich jedenfalls. Denn so oft ich dort schon unterwegs gewesen bin, hat mich die Natur doch jedes Mal wieder überrascht. Auf den 118 Kilometern zwischen Zittau und Neukirch warten zwar keine gigantischen Höhenunterschiede auf den Wandersmann, wohl aber ein Naturerlebnis par excellence. Bergrücken aus Granit, bizarre Sandsteinfelsen oder vulkanische Kuppen illustrieren die geologische Vielfalt in der Oberlausitz und die genießt man in der Region aus vielen verschiedenen Perspektiven. Natürlich von oben, wenn es über den Hochwald und die Lausche im Zittauer Gebirge oder auf die Gipfel von Valtenberg oder Kottmar geht. Böhmisches Bergland, Iser- und Riesengebirge säumen von den Aussichtspunkten den fernen Horizont und schicken die Augen mit weitem Blick auf Urlaubsreise.

Doch auch in den Wäldern und Tälern genieße ich jeden Schritt, an den Feldrainen und in den Oberlausitzer Dörfern mit ihren schmucken Umgebindehäusern. Das hat wohl auch damit zu tun, dass man hier seit 2009 intensiv daran arbeitet, die Kriterien für das Prädikat „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ zu erfüllen. Dafür wurde sogar mancherorts die Streckenführung geändert und ich meine: Die Mühe hat sich gelohnt. Bleibt zu hoffen, dass die Prüfer das auch so sehen und den „Oberlausitzer Bergweg“ zum vierten sächsischen Qualitätswanderweg machen. Dafür spricht, dass der Weg neben den reinen Wanderkriterien noch viel mehr zu bieten hat: Kultur, Geschichte und Tradition. Das erlebt man in der prächtigen Tuchhändlerstadt Zittau, wo das faszinierende „Große Fastentuch“ seit Jahren die Besucher verzaubert. Oder in den Dörfern der Leineweber, in denen alte Traditionen bis heute lebendig sind und in den Töpferwerkstätten von Neukirch. Mein persönlichen Highlight ist allerdings seit Jahren schon der Oybin: Seit meiner Kindheit bin ich immer wieder dort und selbst wenn manchmal zu viel Trubel rund um die Ruinen auf dem Gipfel herrscht – seine besondere Magie entfaltet der Berg jedes Mal.

Ob mein persönlicher „Schönster Wanderweg Deutschlands“ dann auch die Mehrheit der Wanderer überzeugt? Keine Ahnung. Auf jeden Fall werde ich beim „Wandermagazin“ meine Stimme für den „Oberlausitzer Bergweg“ einreichen. Das geht bis Ende Juni 2015 auf der Webseite des Magazins.

Lust auf den „Oberlausitzer Bergweg“ bekommen? Hier findet Ihr mehr Informationen.

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Johannes Philips

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