Blick auf Schloss Wackerbarth

Herbstausflug zur Sächsischen Weinstraße

Entlang der Elbe, von Pirna über Dresden, Radebeul und Meißen bis hin zum Elbweindorf Diesbar-Seußlitz erstreckt sich das nordöstlichste Weinbaugebiet Europas, das auf eine jahrhundertelange Weinbautradition zurückblickt. Die terrassierten Weinberge prägen die Kulturlandschaft an der Elbe und geben ihr gemeinsam mit dem besonders milden Klima einen heiter südländischen Charme. Die Hang- und Steillagen sowie die vorwiegend händische Bewirtschaftung der Weinberge gehören zu den Besonderheiten des sächsischen Weinanbaus.

Ich möchte dieses Schmuckstück an der Elbe einmal mit eigenen Augen erleben. Als Österreicherin, die gerade erst in Dresden ihre neue Heimat gefunden hat, packt mich bei so wundervollem Sonntagswetter auch gleich die Wanderlust. An einem Herbstwochenende wie es im Buche steht geht es also von Dresden aus nach Radebeul, dem Herzstück der Sächsischen Weinstraße. Schon bei der Anreise zeigt sich mir der Facettenreichtum der Stadt. Dank ihrer prächtigen Villen, den regionalen Straußenwirtschaften und den Spuren Karl Mays bietet Radebeul viele Ausflugsmöglichkeiten für jedermann. In nicht mal einer halben Autostunde von Dresden befinde ich mich bereits inmitten der Weinlandschaft, deren herbstlich gefärbte Weinreben mir schon von weitem entgegenstrahlen.

Hinauf auf den Weinberg, hinein zwischen die RebstöckeFoto: Ben Walther

Herbstidylle auf Schloss Wackerbarth

Als mein erstes Ausflugsziel steuere ich das Schloss Wackerbarth an, ein von Weinbergen umgebenes Barockschloss. Bereits beim Betreten der Anlage wird klar, warum diese die Bezeichnung Erlebnisweingut trägt. Sie bildet ein Ensemble aus barocker Schloss- und Gartenanlage, historischer Weinkulturlandschaft sowie moderner Wein- und Sektmanufaktur. Hier erfährt man bei einer geführten Tour, was jahrhundertelange Weinbautradition in Sachsen bedeutet. Darüber hinaus bietet das breite Veranstaltungsangebot wohl für jede Zielgruppe das passende Event. Empfangen werde ich von „Wein & Musik“, einer Veranstaltung, bei der man das eine oder andere Glas Wein bei musikalischer Untermalung genießen kann. Die barocke Terrasse des Schlosses stellt die Bühne der Musiker dar, von welcher die musikalischen Klänge über die Schlossanlage bis hin in die Rebhänge tönen. Genau diese gilt es nun für mich zu erkunden.

Spaziergang im Park von Schloss WackerbarthFoto: Anna Manzenreiter

Ich mache mich auf den Weg in Richtung der Weinhänge und merke, wie die Steigung des Bodens allmählich zunimmt. Noch relativ am Fuße des Weinbergs befindet sich eine kleine Kapelle. So schön festlich dekoriert wie an diesem Tag eignet sie sich wundervoll für Hochzeiten oder feierliche Anlässe. Bereits von der Kapelle aus bietet sich ein herrlicher Ausblick auf das Schloss und seine Anlage. Über Treppen und Wiesen geht es hinauf auf den Weinberg und hinein zwischen die Rebstöcke. Das eine oder andere Mal kann ich nicht widerstehen und pflücke mir eine der süßen Weintrauben. Nachdem die Winzer die Reben bereits zumeist von Hand abgeerntet haben, holen sich die verbliebenen Früchte unter der herbstlichen Sonne noch ein wenig mehr Süße. Zwischen den Rebstöcken sind an diesem Tag nur vereinzelt interessierten Besucher und Wanderer dabei, die übrigen gelb-grünen Trauben zu begutachten. Oben am Weinberg angekommen darf man schon ein bisschen schnaufen. Und auch die wunderschöne, weitläufige Aussicht raubt mir beinahe den Atem. Meine Blicke wandern zuerst über die Weite des sächsischen Elblandes und dann zurück zu den bunt-gefärbten Weinstöcken. Ich halte einen Moment inne, bevor ich mich dem Abstieg und sodann dem nächsten Höhepunkt des Tages widme.

Herbststimmung im WeinbergFoto: Ben Walther

Die Spitzhaustreppen hinauf

Was meine besondere Neugier weckt, sind die verschiedenen Straußwirtschaften, die die Sächsische Weinstraße bietet. Diese von Weinbauern saisonal geöffneten Betriebe, in denen sie ihre eigenen Weine ausschenken, waren mir bisher nur aus meinem Heimatland Österreich unter dem Namen „Buschenschank“ bekannt. Höchste Zeit, um das sächsische Angebot unter die Lupe zu nehmen – und ich stelle fest, es ist ganz schön vielseitig! Ich fahre noch ein paar Autominuten weiter und mache Halt in Oberlößnitz in Radebeul. Was mich hier erwartet, lässt das Herz eines jeden Weinliebhabers höherschlagen: Eine Straußwirtschaft folgt der nächsten. Ich komme am Weingut Karl Friedrich Aust vorbei, einem Gut, dessen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert zurückgeht und seinen Besuchern nicht nur ein gehobenes sächsisches Restaurant, sondern auch ein eigenes Kunstatelier mit wechselnden Ausstellungen bietet. Von hier aus erblicke ich auch bereits das nächste Weingut: Hoflößnitz, welches als Fachwerkhaus durch seine romantische Architektur besticht. Nun trennen mich noch 365 Stufen von der Spitze der Lößnitzhänge – die bekannten Spitzhaustreppen. Oben angekommen wird man mit einem unvorstellbar schönen Panorama belohnt. Um die verbrauchten Energiereserven wieder aufzufüllen, bietet das Restaurant Spitzhaus Radebeul eine Auswahl an traditionell sächsischen Leckereien und natürlich die passende Weinbegleitung dazu.

Der wunderschöne Ausblick von den SpitzhaustreppenFoto: Anna Manzenreiter

An dieser letzten Station meiner Entdeckungstour durch die Weinberge Radebeuls lasse ich meinen Tag bei einem Glas Riesling Revue passieren. Wenn ich darüber nachdenke, kann ich mich so gar nicht für einen Favoriten unter den besichtigten Weingütern entscheiden. Fest steht, jedes für sich ist ganz individuell und einzigartig und ich finde es wundervoll zu sehen, welch hohen Stellenwert hier sowohl Tradition als auch Innovation haben. Um meine gewonnenen Eindrücke über die Naturlandschaft der Sächsischen Weinstraße zu einem späteren Zeitpunkt in ähnlicher Atmosphäre wieder aufleben lassen zu können, nehme ich mir noch eine Flasche dieses wundervollen Tropfens mit. Denn wie es am Ende der 365 Spitzhaustreppen geschrieben steht: „Der Wein ist die edelste Verkörperung des Naturgeistes.“

Den Herbsttag in Weinbergen genießenFoto: Anna Manzenreiter

Anna Manzenreiter
Anna Manzenreiter

Ein Kommentar

  1. Ja, liebes Ännchen, wie man sieht hat die Sehnsucht nach Wein und Weingebieten ( großelternlicherseits ) wieder einmal durchgeschlagen und wir stellen fest, dass wir die sächsische Weinstraße fast gar nicht kennen.
    Danke für die Fotos und die Kommentare und……. Sachsen wir kommen !!!!
    LG Oma u. Opa

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