Die vielen Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz locken zum Klettern ein

Magisches Gipfelbuch

Johannes Philips

Das erste Mal war eine große Sache für mich, lange habe ich nicht daran gedacht. Doch in der letzten Zeit las ich häufig über die Kletterei in der Sächsischen Schweiz – im 150. Jahr nach der Erstbesteigung des Falkensteins. Mir fiel also wieder ein, wie es war, zum ersten Mal die Blechkapsel mit dem Gipfel zu öffnen. Wir müssen 16 oder 17 gewesen sein, als uns ein klettererfahrener Mitschüler mitnahm. Fast alle waren – wie ich – blutige Kletterlaien mit zusammengeborgter Ausrüstung. Doch er meinte, die „Nonne“ sei gut zu schaffen. Er sollte Recht behalten, hatte uns vorher gründlich eingewiesen und den Vorsteig übernommen. Dann waren wir dran, vier Halbwüchsige mit Muffensausen. Ich war gleich als zweiter dran und bei Licht betrachtet waren es wohl kaum mehr als 15 Minuten, bis ich die Wand und den Kamin hinter mir hatte und auf dem Plateau mit Rauenstein hockte. Unterwegs war es mir wie eine Stunde vorgekommen, doch hier oben: alles vergessen! „Mach auf!“, hieß es und ich schob den Deckel auf und zog die kleine Kladde nebst Bleistiftstummel heraus. Ein seltsam feierlicher Moment. Nicht sonderlich bedeutend, aber doch unvergesslich. Wir notierten Datum und Namen, alberten rum und dann seilten wir uns wieder ab. Eine kleine Ewigkeit ist das inzwischen her. Die Kletterei hat mich damals nicht gepackt, zwei oder drei Gipfelbücher habe ich noch erreicht – geschenkt. Doch in Erinnerung an jenes erste Mal ist es wert, am Abend ein Gläschen auf Oscar Schuster zu trinken. Denn der Kletterpionier hat nicht nur Großes für die Erschließung des Klettergebietes Sächsische Schweiz geleistet, sondern auch die ersten Gipfelbücher installiert. Prost Oscar Schuster! Prost Gipfelbuch! Und vielleicht ist auch meinen Kindern eines Tages so ein magischen Gipfelbucherlebnis vergönnt…

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Johannes Philips

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