Auf dem Malerweg im Elbsandsteingebirge

Musik liegt in der Luft: Wandern auf dem Dichter-Musiker-Maler-Weg

Aktiv in der Natur zu sein beschwingt die Seele – die abwechslungsreiche, teils schroffe Natur entlang des sächsischen „Dichter-Musiker-Maler-Weg“ erst recht. Wir nehmen euch heute mit auf künstlerische Entdeckungstour auf der etwa 91 Kilometer langen Route von Dresden, über die Sächsische Schweiz bis in die Böhmische Schweiz. Und der Name des Weges ist Programm: Ihr wandelt auf den Spuren bekannter Künstler, besucht Museen mit ihren Werken. 

 

Kultur am Wegesrand

In die Tour startet ihr an der Loschwitzer Brücke in Dresden, die den inoffiziellen Namen „Blaues Wunder“ trägt. Die erste Kulturpause könnt ihr bereits nach wenigen Metern einlegen: im Leonhardi Museum. Benannt nach dem Landschaftsmaler Emil August Eduard Leonhardi beherbergt es nicht nur eine Sammlung seiner Werke, sondern ist mit seinem bemalten Fachwerk bereits von außen ein Kunstwerk für sich. Kulturell gestärkt seid ihr nun bereit für den Anstieg auf das Schönfelder Hochland. Über sanfte Hügel und weite Wiesen wandert ihr bis in den idyllischen Pillnitzer Ortsteil Hosterwitz. Auch hier geht es künstlerisch weiter – nur diesmal nicht auf Leinwand. Ob kleine Gartenkonzerte oder Sonderausstellungen, im weltweit einzigen, dem Komponisten Carl Maria von Weber gewidmeten Museum, das gleichzeitig die Sommerresidenz des Musikers war, kommt ihr dem Erschaffer des „Freischütz“ ganz nah.

Sonnenaufgang über dem Blauen WunderFoto: S.Rose

Von Blütenträumen und Musikgenies

In Pillnitz beginnt die zweite, etwa 20 Kilometer lange Etappe. Mit dem nahen Schloss und Park Pillnitz in Sichtweite startet ihr märchenhaft in den Tag. Das einstige Lustschloss des sächsischen Königshauses ist heute die bedeutendste chinoise Schlossanlage in Europa. Nutzt die Gelegenheit und erkundet die beeindruckende Parkanlage an der Elbe. Ihr solltet unbedingt das Kamelienhaus im botanischen Garten des Schlosses besuchen. Dort steht die Pillnitzer Kamelie, die mit über 250 Jahren als als größte und älteste ihrer Art nördlich der Alpen gilt – ein Schatz in Blütenform. Im Frühjahr, etwa Mitte Februar beginnt ein ganz besonderes Schauspiel: die ersten Knospen der Kamelie beginnen aufzuplatzen und ihre rosarote Schönheit zu zeigen. Bis Mitte April könnt ihr diese pralle Knospen- und Blütenpracht im Kamelienhaus erleben.

 
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Erkundet den Malerweg, den Forststeig oder die Gegend um Rathen

 

Die Elbetreppen von Schloss PillnitzFoto: S. Rose

Nach diesem kleinen botanischen Exkurs wandert ihr weiter entlang der malerischen Elbhänge, an denen auch noch heute Wein angebaut wird. Bald darauf gelangt ihr nach Graupa, wo Richard Wagner 1846 einige Monate verbrachte und sich für sein musikalischen Schaffen inspirieren ließ. Graupa und die nahe Sächsische Schweiz fand der Komponist so wunderbar, dass er begeisterte Briefe an Freunde schrieb und den gesamten Kompositionsentwurf der Oper Lohengrin in kurzer Zeit niederschrieb.

Gott sei Lob, ich bin auf dem Lande … in der reizendsten Gegend von der Sächsischen Schweiz und fange wieder an, als Mensch und Künstler aufzuatmen.

 

(Richard Wagner, Brief vom 21. Mai 1846 von Graupa an Karl Gaillard )

Am Richard-Wagner-Denkmal im Liebethaler GrundFoto: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V. | Sebastian Thiele

Die Richard-Wagner-Stätten Graupa betrachten in mehreren Ausstellungen Wagners Zeit in Sachsen, seine Kompositionen und Dichtungen. Habt ihr euch wieder auf den Weg gemacht, begegnet euch Wagner bald ein zweites Mal; diesmal als vier Meter hohe Statue. Weiter geht es durch den wildromantischen Liebethaler Grund, über den Ort Lohmen in den Uttewalder Grund. Er ist einer der schönsten Schluchten in der Sächsischen Schweiz. Bis heute fasziniert der Uttewalder Grund auf diese Weise. Ein Pflichtmotiv sind die zwischen Felswänden, kurz über dem Weg eingeklemmte Felsbrocken. Schon Caspar David Friedrich hielt das Kuriosum im Bild fest. Besonders verkeilt sind die Felsen am Uttewalder Felsentor. Hier müsst ihr euch durch ein nur sechzig Zentimeter schmales Wegstück kraxeln. Das geschafft, wandert ihr nun durch den Wehlener Grund. Unter schattigen Baumkronen entlang und umgeben von bizarren Felsformationen kommt ihr schon bald in der an der Elbe gelegene Stadt Wehlen an. 

Uttewalder TorFoto: René Gaens

Felsenmagie mit Weitblick

Von Stadt Wehlen aus startet ihr in die dritte Etappe (18 Kilometer). Bis nach Kurort Rathen wandert ihr immer an der Elbe entlang. Und dann heißt es: Hinauf auf die Bastei, eines der bekanntesten Naturdenkmäler sowie eines der beliebtesten Ausflugsziele der Sächsischen Schweiz. Bevor die Romantiker die hiesige Schönheit für sich entdeckten, trieben Raubritter hier ihr Unwesen. Fast 200 Meter über der Elbe habt ihr einen atemberaubenden Landschaftsblick über die linkselbischen Gebiete des Elbsandsteingebirges. Aus Sicherheitsgründen ist der vordere Teil der Basteiaussicht seit letztem Jahr gesperrt. Dem Erlebnis tut das allerdings keinen Abbruch – und Sicherheit geht schließlich vor. Tolle Blicke ins Land bieten euch außerdem noch andere Aussichtspunkte: die Pavillonaussicht, die Tiedgeaussicht, die Basteibrücke, das Kanapee, die Ruine der Felsenburg Neurathen, die Ferdinandaussicht und die Wehlsteinaussicht. 

Sonnenaufgang mit Blick auf die BasteiFoto: Francesco-Carovillano I Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.

Für euch geht es danach weiter nach Schweden. Naja, nicht ganz, aber zumindest tragen die Schwedenlöcher die skandinavische Nation im Namen. In den engen Schluchten im Amselgrund hat man das fast Gefühl,  jeden Moment könnten kleine Kobolde und andere wundersame Wesen euren Weg kreuzen, so verwunschen wirkt die Natur, so geheimnisvoll die Felsen. Kein Wunder also, dass die einzigartige Landschaft des Elbsandsteingebirges einst auch Caspar David Friedrich, den wohl bekanntesten Maler der Romantik, in seinen Bann gezogen und als Motiv gedient hat. Habt ihr die Schwedenlöcher und den Amselgrund passiert, führt der Weg durch das Polenztal, wo im Frühjahr die Märzenbecher in voller Pracht sprießen. Wenn nicht mehr in diesem Jahr, solltet ihr dennoch unbedingt einen Besuch in diesem Blumenmmeer einplanen. Vorbei an der Burg Hohnstein, die majestätisch über den Dächern der gleichnamigen Stadt thront, gelangt ihr zum Endpunkt der dritten Etappe: dem Balkon der Sächsischen Schweiz, dem Brand. Auf dem Felsplateau lohnt es sich, etwas zu verweilen, sich in der Brandbaude zu stärken und dabei das atemberaubende Panorama zu genießen.

Das Felsentor KuhstallFoto: Walter Schmitz

Singendes klingendes Wasser und luftige Höhen

Die Brandstufen herab startet ihr in die vierte Etappe des Dichter-Musiker-Maler-Weges. Ein kleines Stück geht es die Elbe entlang, doch dann lauft ihr durch wunderschöne Täler und könnt die Ruhe der Natur so richtig genießen. Bald schon vernehmt ihr ein verheißungsvolles Rauschen: Der Lichteinhainer Wasserfall stürzt sich im Kirnitzschtal in die Tiefe. Ab jetzt sind stramme Waden gefragt, denn die restliche Strecke geht noch einmal ordentlich hinauf bis zum Kuhstall, dem zweitgrößten Felsentor der Sächsischen Schweiz. Dort angekommen werdet ihr mit einer gandiosen Aussicht belohnt. Über den großen Winterberg gelangt ihr nach Schmilka. Im selbsternannten Öko-Refugium mit eigener Mühl, Bäckerei und Brauerei erholt ihr euch nach den rund 20 geschafften Kilometern ganz wunderbar.

Genießen in SchmilkaFoto: TMGS | Achim Meurer

Abstecher in die Böhmische Schweiz

Ihr bekommt nicht genug von bizarren Felsen und urigen Wäldern? Dann könnt ihr den Dichter-Musiker-Maler-Weg noch weiter bis in die Böhmische Schweiz beschreiten. Im tschechischen Hřensko stecht ihr in See und entspannt bei einer Kahnfahrt durch die Edmundsklamm. Weiter geht es wieder zu Fuß zum Prebischtor, dem größten Felsentor des Elbsandsteingebirges und der größten natürlichen Sandstein-Felsbrücke Europas. Das müsst ihr einfach gesehen haben! Auf dem Rundwanderweg kommt ihr wieder zurück nach Schmilka. 

Prebischtor in der Böhmischen SchweizFoto: V. Sojka

TMGS-Bloggerin Katharina
TMGS-Bloggerin Katharina

2 Kommentare

  1. Pingback: Weingenuss und Wanderfreude: der Sächsische Weinwanderweg – Frischluft. Der Aktiv-Blog.

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