Wandern zum Aschberg

Per Fuß entlang von Floßgraben und Kammweg zum Aschberg

von Derrick Schönfelder // 29. September 2015

Müde entsteige ich der Vogtlandbahn, die mich frühmorgens bis an meinen Ausgangsort in Muldenberg chauffiert. Kühl und neblig präsentiert sich das erste deutsche Flößerdorf, welches auf eine fast 300 Jahre alte Tradition der Holzflößerei zurückblicken kann. Mittels angelegter Wassergräben wurde damals eine leichte und kostengünstige Variante erschaffen, den Transport des geschlagenen Holzes aus den Tiefen der vogtländischen Wälder heraus in die Städte zu ermöglichen. Auch heute noch spart der Ort nicht mit seiner historischen Herkunft. Jährlich wird die Tradition der Flößerei zum Schauflößen eindrucksvoll demonstriert und von zahlreichen Zuschauern und Gästen begleitet.

Ich informiere mich kurz zum gewählten Ausgangsort. Mit seiner Geschichte und seinem Ambiente also durchaus prädestiniert für den Startpunkt meiner Wanderung. Und während sich der Nebel so langsam gen Wald und Anhöhen verzieht, schnüre ich nochmals meine Schuhe. Auf geht’s! Der Weg zum Aschberg, Vogtlands höchster Erhebung, ist das Ziel und liegt noch gut fünf Stunden entfernt auf 936 Metern.

Anhand der roten Balkenmarkierung auf weisem Grund folge ich dem Wegeverlauf. Erst kurz entlang der Straße, später über erste Wald- und Wanderwege hinein in den vogtländischen Forst. Mystisch wirkt dieser durch seinen Nebelschleier und die kühle Feuchte, mit der er mich empfängt. Lediglich das Zwitschern und Musizieren der Vögel und Waldbewohner durchstößt immer wieder die Ruhe und Einfalt. Ansteigend – nicht nur der Wegeverlauf schlängelt sich allmählich bergan, auch mein Puls und meine Wanderlust nehmen durch jeden nun eindringenden Sonnenstrahl zu. Als idyllisch lässt sich die Stimmung wohl am besten beschreiben, die sich in mir mit jedem Meter mehr breitmacht.

Nach einer Weile versperrt ein gigantischer Felsklotz den direkten Weg. Wie kommt bloß dieser Kollos in diesen Wald? Auf dem gesamten bisherigen Wegeverlauf deutete nix auf Gesteinsaktivitäten hin. Wie die Infotafel verrät, ist dies der 24 Meter hohe Schneckenstein und aufgrund seines ungewöhnlichen Gesteinsaufbaus als einziger Topasfelsen Europas bekannt. Zack, die nächste Wissenslektion während dieser Wanderung. Das Schöne ist: Man kann den Fels sogar besteigen und auf ihm den fantastischen Rundblick hinüber zur Skisprungschanze der Vogtland Arena bis hin zum Erzgebirge genießen. So wird mir zumindest am Eingang suggeriert. Na das will ich sehen! Nach kurzer Kraxelei erwartet mich hoch oben tatsächlich die volle Breitseite vogtländischer Panoramalandschaft. Genau das Richtige für eine ausgiebige Rast inklusive Wissenstransfer. So erfahre ich, dass mittlerweile zahlreiche Topase des Schneckensteins wertvolle Kunstgegenstände, unter anderen sogar die Kronjuwelen des Englischen Königshauses, zieren.

Nach einigen Episoden von Bergsteiger- und Schatzsuchermärchen mach ich mich wieder auf den Weg. Inzwischen hat die Sonne den Kampf gegen Nebel & Nässe gewonnen und drückt von oben recht ordentlich. Über den Kammweg erklimme ich nun Höhenmeter um Höhenmeter. Vorbei am Köhlermeiler und der Großen Pinge erreiche ich die Winzelburg inklusive kleinem Rastplatz mit Blick auf eine geschützte Arnikawiese. Gerne würde ich hier temperaturbedingt erneut verweilen, setze meinen Weg jedoch nach einigen Schlucken aus der Wasserflasche fort. Oberhalb des Skihangs in Mühlleithen bietet sich ein herrlicher Ausblick auf den Wintersportort samt seiner holzvertäfelten Häuser.

Mein Ziel rückt näher, baut sich jedoch auch majestätisch vor mir auf, der Aschberg. Weitläufig folge ich den Wegen bergan. Immer wieder begegnen mir Wanderer und Radler, die selbiges Ziel im Blick haben oder von diesem zurückkehren. Nach einer weiteren Stunde ist es dann erreicht. Auf einem Hochplateau schmückt sich der Berg mit einer Jugendherberge und zugehörigem Wanderaussichtsturm. Und weil der gerade geöffnet hat, gebe ich mir auch diese letzten stufenförmigen Höhenmeter.

Der Ausblick nach Tschechien und hinüber ins Erzgebirge entschädigt für die Anstrengungen, für die ich mich im Anschluss mit einem kühlen Bier belohne. Und während ich mich an dem kühlen Nass erfrische, ereilt mich die nächste Lektion an Zusatzwissen. Diesmal im Sprachbereich, als mein Gegenüber mir zuruft „Nu is‘ hier net schie?“. Aber was soll ich sagen? Recht hat er…

Retour über die Aschbergstraße (grüne Markierung) und die Untersachsenberger Straße zurück ins Tal und zum Bahnhof.

Tourenverlauf:
Bahnhof Muldenberg – Muldenberger Talsperre – Schneckenstein – Winzelburg – Mühlleiten – Aschberg

Länge & Dauer:
ca. 16 km // 5,5 Stunden inkl. Rast

Rast & Einkehr:
Hotel & Gasthof Flößerstube, Klingenthaler Str. 3, 08223 Muldenberg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag ab 11 Uhr

Ferienhotel Mühlleithen, Waldstr. 4, 08248 Klingenthal/Mühlleithen
Öffnungszeiten: täglich ab 11 Uhr

Aschbergalm, Grenzweg 23, 08248 Klingenthal
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag ab 11 Uhr

Informationen:
Vogtländischer Flößerverein Muldenberg e.V. – www.floesser-verein.de
Kammweg Erzgebirge Vogtland – www.kammweg.de
Vogtland – Tourismusportal – www.vogtland.de

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D. Schoenfelder

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