Häntschelstiege in der Sächsischen Schweiz

Über die Häntzschelstiege hoch hinaus

von Karina Wendt

Die Sächsische Schweiz ist für mich eine der schönsten Landschaften Deutschlands. Ich liebe es, dort wandern zu gehen. Auch wenn ich zu den Menschen gehöre, die diese bizarren Felsformationen stundenlang anschauen könnten, ist mir bewusst dass „wandern“ für viele jetzt nicht allzu sexy klingt. Doch in der Sächsischen Schweiz gibt es ja noch viel mehr tolle Aktivitäten. Wie wäre es denn heute mit einer Tour auf dem bekanntesten Klettersteig – der Häntzschelstiege?

Geübte Wanderer können diesen Klettersteig, der vom Fuße der Affensteine über eine Länge von 700 Metern etwa 160 Höhenmeter hinauf führt, ohne Sicherung auf eigene Faust erkunden. Da ich mich eher weniger als “geübt” bezeichnen würde, habe ich mich einer Tour angeschlossen um – gesichert mit Klettergurten – die Häntzschelstiege zu erklimmen.

Treffpunkt für unsere Tour, die ca. 5 Stunden dauern sollte, war der Parkplatz am Beuthenfall. Nachdem alle eingetroffen waren, ging es direkt straff los. Hinauf auf einem steinigen Pfad, der ordentlich steil war und das auch noch in einem Tempo, dass meinen Kreislauf erstmal richtig in Schwung brachte. So kam es, dass ich bereits nach den ersten 10 Minuten wie ein kleiner Maikäfer am Pumpen war und mich fragte, wie ich nur den Rest der Tour bewältigen sollte. So leicht kann’s gehen, wenn man aus dem Flachland kommt und dann doch nicht so oft in den Bergen wandert.

Am Ende des Weges wartet unser Guide mit einem fröhlichen Grinsen im Gesicht auf uns. Offensichtlich wohl wissend, dass er uns mit diesem ersten kleinen Fitnesstest ganz schön ins Schwitzen gebracht hatte.

Ab diesem Punkt ging es dann aber glücklicherweise in gemächlicherem Tempo weiter in Richtung der Affensteine. Durch die Baumwipfel hindurch, zeigte uns der Guide die markanten Bergspitzen in der Ferne. In nur wenigen Stunden sollten wir bereits dort oben stehen. Zu diesem Zeitpunkt war mir völlig unklar, wie ich das nur bewältigen sollte.

Am Fuße der Affensteine angekommen, bekamen wir von unserem Guide eine erste kleine Einweisung in die Grundlagen des Kletterns in der Sächsischen Schweiz. Auch für den Rest der Tour legten wir immer wieder Pausen ein, in denen er uns mit seiner Begeisterung für das Klettern und allerlei abenteuerliche Routen ansteckte.

Kurz später hatten wir alle unsere Klettergurte angelegt und blickten zum ersten Aufstieg zur Häntzschelstiege. Dieser ist traditionsgemäß der schwierigste Teil der Stiege. Denn: wer den Aufstieg schafft, schafft im Normalfall auch den Rest der Tour. Wer hier nicht hinauf kommt, sollte sich dann doch lieber eine leichtere Route aussuchen. Elegant wie ein nasser Sack, hing ich wenig später an den ersten Stahlstiegen des Kletterwegs und spürte nur noch, wie meine Beine vor Anspannung mit Zittern anfingen. So unfit hatte ich mich ja dann doch nicht eingeschätzt! Ich hab dennoch die Zähne zusammen gebissen und konnte kurz später eine kleine Atempause einlegen, bis auch die anderen Teilnehmer unserer Tour den Aufstieg hinter sich gebracht hatten.

Weiter ging es dann außen am Fels entlang in schwindelerregender Höhe. Die Klettergurte hakten wir immer wieder mit Karabinern am Stahlseil ein, welches als Haltehilfe am Fels entlang führte. Nachdem ich mich an diese Mechanik gewöhnt hatte, ging es erstaunlich gut voran und schon bald hatten wir alle den ersten Teil der Häntzschelstiege überwunden. Oben angekommen, wurden wir mit den ersten traumhaften Panoramablicken über die Sächsische Schweiz belohnt.

Wenig später nahmen wir den zweiten Teil der Häntzschelstiege in Angriff. Dieser führte eine äußerst enge Schlucht senkrecht hinauf. Überraschenderweise war dies der weniger schlimme Teil der Tour. Zwar ging es geradewegs den Felsen hinauf, aber da die Stahlstiegen dieses Mal im Inneren des Felsens angebracht waren, hatte ich nicht so sehr das Gefühl gleich abstürzen zu können. Als wir oben aus dem engen Schacht hinaus kletterten, ging es nochmals über einige Stiegen und blanke Felsen weiter, bis wir endlich die finale Aussicht über die Landschaft genießen konnten. Überraschenderweise, hatten wir die 160 Höhenmeter der Häntzschelstiege recht schnell gemeistert. Letzten Endes war es weniger schwer und anstrengend gewesen, als ich das vorher vermutet hatte. Und der Panoramablick auf die umliegenden Felsen und Wälder, war jede einzelne Schweißperle wert, die ich auf dem Aufstieg verloren hatte.

Der Rückweg hinab zum Ausgangspunkt der Tour, führte uns über zahlreiche Holztreppen mitten durch die wunderschön grünen Felswälder der Sächsischen Schweiz. Bereits nach 4 Stunden standen wir wieder alle erschöpft und glücklich vor unseren Autos.

Ich würde diese Tour jederzeit wieder buchen. Die Häntzschelstiege war mein erster Klettersteig, aber sie wird mit Sicherheit nicht mein letzter sein. Für Anfänger würde ich auch empfehlen eine ähnliche Tour zu buchen, wie ich dies getan habe. Wer schon geübt ist, kann sich auf der Häntzschelstiege auch allein und ohne Sicherung auf den Weg machen. Wobei ich sagen muss: ohne Sicherung, wäre ich dort nicht hinauf gegangen.

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Karina Wendt

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