Unterwegs auf dem Kammweg

von Karina Wendt

In dem kleine Örtchen Sayda im Erzgebirge, nahe der tschechischen Grenze, beginnt meine heutige Wanderung. Führen soll sie mich über leichte 10km bis ins weltberühmte Spielzeugdorf Seiffen. Insgesamt erstreckt sich der Kammweg über eine Länge von 289km vom Erzgebirge übers Vogtland bis nach Tschechien und gehört zu den 15 besten Wanderwegen Deutschlands.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Kreuztanne. Bereits hier hatte ich einen traumhaften Blick über die Landschaft des Erzgebirges. Da der Kammweg den Wanderer – wie der Name schon vermuten lässt – über die Kammlagen des Erzgebirges führt, hatte ich die Hoffnung auf noch mehr tolle Panoramablicke. Und ohne zu viel verraten zu wollen: ich wurde nicht enttäuscht.

„Einsteigen und abschalten“ ist das Motto des Kammwegs. Und bereits nach den ersten 100 Metern bin ich im Entspannungsmodus angekommen. In meine Nase steigt der erdigen Geruch des Nadelwalds, in welchem es über Nacht gerade erst geregnet hat. Immer wieder weht ein kräftiger Wind von einer Lichtung auf den Wanderweg und lässt so den schweren, aber auch frischen Duft um mich herum aufsteigen.

Unter meinen Füßen knirschen die Kiesel des schmalen Waldweges, während ich immer tiefer in den Wald hinein wandere. Begleitet werde ich vom lebhaften Gezwitscher der Vögel, das durch die dicht stehenden Tannen schallt. Ich bin allein. Weit und breit ist niemand anderes zu sehen. Hier und da höre ich ein sanftes Knacken am Wegesrand oder ein Rascheln in Bodennähe, verursacht durch die kleinen Bewohner des Waldes.

Die Wegstrecke nach Seiffen hat einen Aufstieg von lediglich 296m. Und so ging es für mich auf den ersten Kilometern auch hauptsächlich bergab. Durch wunderschöne Wälder hindurch und an einsamen Pferdekoppeln vorbei, kam ich irgendwann an einem gelb blühenden Feld mit traumhaftem Ausblick an.

Ein paar hundert Meter weiter erwartete mich bereits der nächste traumhafte Blick. Im Tal konnte ich den weißen Turm des Schlosses Purschenstein in Neuhausen erkennen. Es ragte aus dem Örtchen heraus, wie man sich dies bei einem Märchenschloss vorstellt. Während Neuhausen meine nächste Station sein sollte, zeigte sich am Horizont bereits ein weiteres Highlight meiner Wanderung: der Schwartenberg samt Schwartenbergbaude – mit 789m der höchste Punkt meiner Wanderung.

Doch bis dorthin war es noch ein weiter Weg, vorbei an beackerten Feldern, grünen Wiesen und vereinzelten Bäumen. Ich hab diesen tollen Wanderweg sehr genossen. Wieso auch immer – so schön hatte ich das Erzgebirge gar nicht erwartet.

Am Schloss Purschenstein angekommen, war es Zeit für ein kleines Kulturprogramm, bei dem ich mir das Schloss, den kleinen Schlosspark und die umliegenden Parkteiche angeschaut habe. Im späten 12. Jahrhundert errichtet, beherbergt das Schloss heute ein Hotel. Von außen erinnerte mich das Gebäude mit seiner weißen Fassade und dem spitzen Turm an ein echtes Märchenschloss. Die Teiche und der kleine Park taten ihr Übriges, um diesen Eindruck zu unterstreichen.

Nach diesem kleinen Zwischenstopp führte mich mein weiterer Weg zur großen Steigung der Strecke. Über 353m Anstieg ging es vorbei an saftig grünen Wiesen in Richtung Schwartenberg. Während ich so vor mich her schnaufend den Berg hinauf ging, warf ich immer wieder einen kurzen Blick zurück nach Neuhausen. Du ahnst es vermutlich schon: der Ausblick war es definitiv wert und hat für die Strapazen des Anstiegs entschädigt.

Oben angekommen, habe ich einen idyllisch gelegenen kleinen Teich entdeckt. Umgeben von kleinen Bäumchen inmitten der grünen Wiese war dieser Rastplatz perfekt für eine kleine Verschnaufpause.

Nach einer kurzen Stärkung ging es noch weiter hinauf. Mein Ziel war der höchste Berg des östlichen Erzgebirges: der Schwartenberg. Auf diesem 789m hohen Berg erwarteten mich die Schwartenbergbaude und eine Aussichtsplattform, die einen traumhaften Rundblick bot – sowohl über die Strecke, die ich bereits zurückgelegt hatte als auch über den restlichen Weg, der noch vor mir lag.

Hatte ich bereits auf der Strecke nach oben ein paar Blicke zurück auf Neuhausen geworfen, so wusste ich spätestens zu diesem Zeitpunkt: am Kammweg entlang zu wandern, heißt auch zahlreiche Panorama-Blicke genießen zu können.

Von hier aus ging meine weitere Wanderung nun stetig bergab in Richtung Seiffen. Dort angekommen, fühlte ich mich sofort an etwas erinnert. Denn diese Kirche kam mir bekannt vor. Es mag ein wenig komisch sein, mitten im Jahr an Weihnachten zu denken, aber genau das passiert beim Blick auf den malerisch gelegenen Kurort Seiffen. Erzgebirgische Figuren, die wohl jeder aus der Advents- und Weihnachtszeit kennt, werden hier auch heute noch traditionell hergestellt. Bewundern kann der Besucher dies in einer der zahlreichen Schauwerkstätten des Ortes.

Und so endet dann auch meine kleine Wanderung. Mit großen staunenden Augen über diese tolle Handwerkskunst – und einem warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis in einem der süßen kleinen Cafés. Der Kammweg war für mich eine Erfahrung für alle Sinne.

Avatar
Karina Wendt

  Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.