Schilderbaum Kammweg

Unterwegs auf dem Kammweg Erzgebirge-Vogtland

„Treffen uns 8 Uhr auf dem Fichtelberg. J.“ Das waren ihre letzten Worte per SMS, und nun stehe ich im Morgennebel auf dem einst höchsten Berg der DDR. Im Tal sah es recht freundlich aus, doch hier oben legen sich die Wolken wie eine nasse Decke über alles. 8:15 Uhr. Keine Jana zu sehen. Ich suche im Kofferraum nach einer Regenjacke. 8:23, zwei Lichtkegel zerschneiden die Trübnis, finden den Parkplatz und schließlich auch mich. Jana springt aus dem Auto, Küsschen: „Können wir?“ Ich murmele etwas von „bisschen spät“ und „Mistwetter“, doch sie ist mit ihrem Rucksack beschäftigt. „Haste meine Nachricht nicht gekriegt? Habe noch Proviant besorgt.“ Ich schaue aufs Handy. Wo sonst vier, fünf Balken blinken und stolze Kürzel wie 3G oder LTE, ist heute alles schwarz. „Kein Empfang, wies aussieht…“Jana marschiert los, die Sonne schaut zwischen den Wolken hervor und feuchter Waldboden schmatzt leise unter den Sohlen. Jetzt ist auch Oberwiesenthal zu erkennen und als die Wolken endgültig aufreißen, zeigt sich das Erzgebirge von seiner grandiosen Seite. 289 Kilometer könnten wir unterwegs sein, hatte Jana gesagt, aber heute ist nur eine Tagestour auf dem Kammweg angesagt. Aber die macht schon nach den ersten Kilometern Lust auf mehr – es muss ja nicht die ganze Strecke von Altenberg bis ins thüringische Blankenstein sein.

Längst ist es zehn Uhr geworden, aber wir sind noch niemandem begegnet. „Ziemlich einsam hier“, sage ich und schaue verstohlen auf das Handy-Display. Keine E-Mail, kein Netz. „Ist doch prima“, sagt Jana – „hat man mal seine Ruhe“. Recht hat sie. Manche Pfade wirken, als würden sie nur von Holzfällern oder dem Köhler und seinem Lastesel benutzt. Viele Ortschaften tangiert der Weg nur am Rand und der Wanderer entscheidet selbst, ob er einen Abstecher machen will. Wir wollen nicht, in der Ferne ruft ein Kuckuck.

Immer wieder öffnet sich der Blick auf die Weite. Der höchste Erzgebirgsgipfel ist zu sehen – der Keilberg in Böhmen. Auf dem Auersberg gönnen wir uns eine ausgedehnte Rast mit Aussicht auf die Talsperre Sosa. Das Proviant war Janas Verspätung wirklich wert und dann geht es weiter. Über weiche Waldwege und hölzerne Stufen, durch dunkle Fichtenwälder und über lichte Bergwiesen. Klare Luft. Durchatmen. Herrlich. Irgendwann am Nachmittag vibriert mein Telefon in der Tasche. Eine SMS. Sie interessiert mich nicht…

Mehr Informationen zum Kammweg Erzgebirge-Vogtland auf www.sachsen-tourismus.de oder unter www.kammweg.de

Avatar
Sachsen Tourismus

  Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.