Die historische Hochwaldbaude

Wandern für Genießer: Auf dem Oberlausitzer Bergweg durchs Zittauer Gebirge

Auf dem Oberlausitzer Bergweg lernten wir das Zittauer Gebirge in Sachsen auf zwei Beinen kennen. Zwischen Jonsdorf und Oybin erklommen wir drei Gipfel, hüpften zwischen zwei Ländern hin und her und wanderten durch eine Felsengasse. Statt mit nie gesehenen Höhepunkten zu trumpfen, überzeugte uns das Zittauer Gebirge vielmehr mit dem wohligen Gefühl des Vertrauten. Und bot doch so einige Überraschungen.
 

Mit der Schmalspurbahn ins Zittauer Gebirge

Wandern oder doch lieber Städtetrip? Zittau kann beides: Nachdem wir gestern die Kleinstadt im sächsischen Dreiländereck erkundeten, machen wir uns heute auf ins Zittauer Gebirge. Die beiden Endstationen der Zittauer Schmalspurbahn, Jonsdorf und Oybin, liegen beide am Oberlausitzer Bergweg. Obendrein sind die beiden Luftkurorte über eben diesen miteinander verbunden. Perfekt also für einen Tagesausflug in eines der kleinsten Mittelgebirge Deutschlands! Vom Bahnhof Zittaus aus brauchen wir gerade mal eine knappe Stunde bis nach Jonsdorf. Nicht alle Fahrten absolviert die Zittauer Schmalspurbahn mit einer historischen Dampflok. Nostalgisch jedoch sind die Waggons und Triebwerke immer, weshalb Eisenbahnromantiker hier voll auf ihre Kosten kommen. 
Zittauer SchmalspurbahnFoto: 1 THING TO DO Reiseblog

Wandern zwischen Sachsen und Böhmen

Zunächst wandern wir entlang grüner Wiesen, bis wir in Richtung des kleinen Örtchens Hain in dichtem Mischwald erstmals spürbar an Höhe gewinnen. An einer weiten Lichtung sehen wir zu unserer Rechten einen ersten Gipfel: Der 602 Meter hohe Johannisstein liegt zwar ein wenig abseits der Strecke, doch der Abstecher lohnt sich. Von oben erspähen wir nicht nur die Lausche, mit 793 Metern höchste Erhebung im Zittauer Gebirge, sondern blicken zum ersten Mal über böhmisches Hügelland hinweg. 
Der Hochwald, nächstes Zwischenziel unserer Wanderung von Jonsdorf nach Oybin, überragt den Johannisstein noch einmal um knapp 150 Meter. Auch er liegt vis à vis der deutsch-tschechischen Grenze, auch er ist ohne einen teilweise ordentlichen Anstieg nicht zu erklimmen. Die wiederum 25 Meter hohe Hochwald-Turmbaude setzt seinem Nordgipfel das i-Tüpfelchen auf. 
Unterwegs auf dem Oberlausitzer BergwegFoto: 1 THING TO DO Reiseblog

Ein Aussichtsturm mit Aussichtsturm

An klaren Tagen sollst du von hier aus sogar das Riesengebirge im Osten und die Sächsische Schweiz im Westen sehen können. Das Wetterglück ist heute nicht mit uns, und doch brauchen wir eine Weile, um uns vom 360-Grad-Panorama auf 775 Metern Höhe zu lösen. Ein gutes Dutzend anderer Gipfel erspähen wir dennoch, und in Richtung Süden sorgt die historische Hochwaldbaude für nostalgisches Flair.
Nachdem wir den Hochwald hinter uns gelassen haben, wandern wir endgültig zwischen zwei Ländern. Den Wanderweg säumen immer wieder Grenzsteine. Natürlich lassen wir es uns nicht nehmen, aus Spaß an der Freude laufend ein- und auszureisen. Am Sudetenblick, einem weiteren Aussichtspunkt, verlassen wir den Oberlausitzer Bergweg kurzerhand für knapp zwei Kilometer, um die Große Felsengasse zu durchwandern.
Die historische HochwaldbaudeFoto: 1 THING TO DO Reiseblog

Steinerne Kuriositäten

Spätestens hier fühlen wir uns an unsere Wanderungen in der Sächsischen Schweiz erinnert. Immer wieder ragen Felswände neben uns auf, dazwischen geben immer wieder natürliche Aussichtsterrassen den Blick in die Niederung von Oybin frei. Einige Felsformationen sind wahre Kuriositäten: Die Taube etwa wird ihrem Namen ohne jeden Zweifel gerecht. Beinahe fragt man sich, was wohl passiert sein muss, dass dieses Geschöpf von jetzt auf gleich zum steinernen Fossil geworden zu sein scheint. 
Am markanten Scharfenstein treffen wir schließlich wieder auf den Oberlausitzer Bergweg. 25 Meter hoch, ist dieser Felsen über Leitern und Treppen vergleichsweise mühelos zu erklimmen. Vom Berg Oybin werden wir ihn ein weiteres Mal erblicken – und aus dieser Perspektive sehen, wieso der Scharfenstein auch Lausitzer Matterhorn genannt wird.
Der Scharfenstein im Zittauer GebirgeFoto: 1 THING TO DO Reiseblog

Ankunft am Berg Oybin

In Oybin lassen wir die Restaurants im historischen Stadtkern zunächst hinter uns, um den letzten Anstieg der Wanderung in Angriff zu nehmen. Er führt auf den 514 Meter hohen gleichnamigen Berg, der sein Geheimnis erst kurz vor unserer Ankunft am Gipfel lüftet. Aus der Ferne während der gesamten Strecke für uns nicht zu erkennen, krönen den Oybin die Ruinen einer Burg und eines Klosters. 
 
Die historischen Gemäuer, vom Verfall gezeichnet und doch so anmutig, fügen sich nahtlos in den Sandstein ein, auf dem sie im Mittelalter einst erbaut wurden. Und als würde uns Petrus für die absolvierten Kilometer belohnen, hat die Sonne ein Erbarmen und schiebt die Wolken nach und nach beiseite. Das Spiel von Licht und Schatten verleiht dem Berg Oybin das letztmögliche Quäntchen Mystik. 
Blick von der Burg OybinFoto: 1 THING TO DO Reiseblog

Die Bastei der Oberlausitz

Besonders in ihren Bann ziehen uns die Überreste der Klosterkirche. Kein Wunder, dass Caspar David Friedrich und andere Romantiker sie im 19. Jahrhundert besuchten. Für mehr als einen Moment lang meinen wir sogar, die Gesänge der Mönche von einst durch die Ruinen hallen zu hören – was dahinter steckt, verraten wir in einem anderen Artikel über unsere Wanderung im Zittauer Gebirge. Der Berg Oybin ist so etwas wie die Bastei der Oberlausitz, nur noch nicht so oft für Instagram in Szene gesetzt. Vielleicht setzt er ja auch bald eurer Wanderung im Zittauer Gebirge die Krone auf.
 
Praktisches:
  • Für die circa zwölf Kilometer lange Strecken benötigten wir ungefähr fünf Stunden (inkl. Pausen). Hinzu kommen zwei bis drei Stunden zur ausgiebigen Erkundung des Berg Oybins samt Auf- und Abstieg.
  • Stationen: Jonsdorf • Johannisstein (602 Meter) • Hochwald (750 Meter) • Sudetenblick • Große Felsengasse • Scharfenstein (569 Meter) • Oybin • Berg Oybin (514 Meter)
  • Für geübte Wanderer stellt die Etappe keine große Herausforderung dar. Es gibt jedoch einige kurze, aber heftige Anstiege, die nicht zu unterschätzen sind. 
  • Angesichts der Kürze der Strecke benötigt ihr nicht allzu viel Proviant. Auf dem Weg gibt es – bei Bedarf – in Hain, am Hochwaldturm sowie in Lückendorf ein paar Lokalitäten zur Stärkung zwischendurch. Öffnungszeiten beachten! Und auch in Oybin oder Jonsdorf könnt ihr einkehren.
  • Wir haben lediglich eine Etappe des Oberlausitzer Bergwegs absolviert. Von Neukirch bis hinein nach Zittau kannst du auf diesem Weg auf insgesamt 107 Kilometer durch die Region wandern, wobei eine Aufteilung in sechs Tagesstrecken empfohlen wird. 
 
Über 1 THING TO DO
1 THING TO DO, das sind John und Marc, zwei Berliner auf Reisen in Deutschland, Europa und der Welt. Auf unserem Reiseblog berichten wir seit 2015 mit Vorliebe über Reise- und Ausflugsziele im Osten Deutschlands, mit dem Ziel, die Region für uns – und für andere? – neu zu entdecken. 
John und Marc von 1 THING TO DO
John und Marc von 1 THING TO DO

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