Raftingtour im Kanupark Markkleeberg

Eine Spritztour nach und in Leipzig

von Heidi Diehl

Einmal im Jahr begeben wir uns auf Mädels-Tour, genauer gesagt auf eine Recherchereise von vier Journalistinnen und einer Hündin. Wohin sie führt, wird stets paritätisch entschieden, nur die Hündin hat kein Mitspracherecht. Einzige Bedingungen für die Auswahl des Ziels: Ein Teil der Recherche muss radelnd erfolgen, ein Teil vom Wasser aus.

In diesem Jahr fiel die Wahl auf Leipzig mit seinen innerstädtischen Wasserstraßen und das Leipziger Neuseenland. Eines der Highlights sollte eine Wildwasserraftingtour im Kanupark Markkleeberg sein. Allerdings so richtige Vorstellungen hatten wir davon nicht, außer, dass es wild und nass (und hoffentlich lustig) werden würde. Die Vorfreude – zumindest bei den vier Zweibeinern – war riesig, Dackeldame Wilma enthielt sich der Stimme. Auch später vor Ort ließ sie die Sache kalt, machte es sich im Büro des Kanuparks gemütlich, während wir uns erst einmal aus sicherer Position von der Terrasse das Treiben im 270 Meter langen und 8,40 Meter breiten Wildwasserkanal am Rande des Markleeberger Sees ansahen. Puh, da ging es ganz schön zur Sache! Natürlich tat jede von uns so, als ob ihr die Vorstellung, in einem kleinen Schlauchboot sitzend im Strudel zu tanzen, eventuell zu kentern und von riesigen Wassermassen weggespült zu werden, rein gar nichts ausmacht. Man wird sich ja vor den anderen keine Blöße geben!

Forschen Schrittes also begaben wir uns zur Einkleidung: Neoprenanzug, -schuhe, Schwimmweste sowie Helm. Und dann standen wir mit 70 anderen „Todesmutigen“ zusammen und hörten, worauf wir im Wasser alles achten müssten und welche Kommandos wann, wie und vor allem unverzüglich zu befolgen seien. Ein Blick in die Runde sagte mir, dass sich die meisten auf die Schnelle genau so viel gemerkt hatten, wie ich: nämlich so gut wie nichts! Die werden uns schon nicht absaufen lassen, dachte ich mir, und ergab mich in mein Schicksal – wie alle anderen auch. Zunächst aber musste jeder noch eine „Taufe“ über sich ergehen lassen. An einer Stelle, wo sich ein besonders wilder Strudel gierig um sich selbst drehte, schubste ein Mitarbeiter des Kanuparks einen nach dem anderen ins Wasser. Das diente gewissermaßen der Kontaktaufnahme zum nassen Element auf die robuste Art: Ein Klaps gegen die Schulter, schon sog einen das Wasser gierig zu sich hinab, und ehe man auch nur einen Gedanken fassen konnte, war man im Strudel versunken, um gleich wieder, wie ein nach unten gedrückter und dann losgelassener Gummiball, hochzufloppen. Danach schoss man in dem wilden Strom pfeilschnell bis in ruhigere Gewässer, wo sich das anfangs angespannte Gesicht in ein beglücktes, breites Grinsen verwandelte.

Nun aber rein in die Schlauchboote – wir vier zusammen mit Dirk, den Guide, auf den wir uns für die nächste Stunde blind verlassen mussten und im Wortsinne auch oft taten. Dann nämlich, wenn das Wasser mal wieder so heftig über uns hinwegschwappte, dass wir kreischend und prustend automatisch die Augen schlossen bis wir mit unserem Gummiboot unterm „Wasserfall“ hindurchgetaucht waren und wieder Land sahen. Sechs Runden pflügten wir durch den Kanal, drehten uns wie wild in Stromschnellen, tanzten auf dem Wellenkamm, kippten mit unserer Nussschale nach rechts, links, vorn und hinten. Von allen Seiten und von oben kam das Wasser, so dass man manchmal fast die Orientierung verlor. Automatisch machten wir das, was uns Dirk zurief: „vorwärts paddeln“, „rückwärts paddeln“, „ins Boot“ oder „Position einnehmen“ (also aus dem vermeintlich sicheren Bootsinneren wieder hochsetzen auf den wackeligen, glitschigen Rand). Längst waren alle Ängste über Bord gekippt, was blieb war vierfaches Glück und ein bis zum Anschlag hochgeputschter Adrenalinspiegel. Kreischend, lachend und klatschnass genossen wir den Wellenritt und hätten am liebsten für Stunden die Zeit angehalten.

Erst später beim Essen im schönsten Sonnenuntergang auf der Terrasse erfuhren wir ein wenig mehr über diese Anlage im Markkleeberger See, der Teil einer rund 70 Quadratkilometer großen zum Teil noch entstehenden Seenlandschaft ist, die durch Renaturierung ehemaliger Braunkohletagebaue entsteht. Geplant wurde die Wildwasseranlage als Teil der Leipziger Bewerbung zu den Olympischen Spielen 2012, die dann aber an London gingen. Dennoch wurde sie fertig gestellt und dient seit fast zehn Jahren Spitzensportlern als Trainingsstrecke und gleichzeitig adrenalinsüchtigen Touristen zum Freizeitvergnügen. Rund 23 000 lassen sich in jedem Jahr zwischen Mai und Oktober auf die Spritztour ein und fast alle sind begeistert.

Als uns Dirk am Ende fragt, ob wir was zu bemängeln hätten, kommt es vierstimmig wie aus einer Kehle: Ja, es war viel zu kurz! Nur Wilma fand das nicht, sie kuschelte sich überglücklich an ihr Frauchen, dass sie sooooo lange allein gelassen hatte. Später saßen wir bis spät in die Nacht auf der Terrasse unseres traumhaft schönen Ferienhauses im „Seepark Auenhain“ am Markkleeberger See, stießen mit Sächsischem Wein auf unsere „Heldentaten“ an und sangen ein Loblied auf all diejenigen, die die Vision, aus einer der schmutzigsten Landschaften Deutschlands eine der schönsten Seenlandschaften zu schaffen, wahrgemacht haben.

Infos unter: Kanupark Markkleeberg & Seepark Auenhain

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Sachsen Tourismus

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