Kurs 1: Von Leipzig zum Cospudener See

Seefahrt mit Schiffsjungen

von Elisa Schiller

Jetzt kann ich es ja sagen: So ganz geheuer war mir diese Geschichte am Anfang nicht. Mein Neffe Tobias hatte sich eine Kanutour zum Geburtstag gewünscht und ich musste wohl so etwas wie „klar, kein Problem“ gemurmelt haben. Behauptete Tobi jedenfalls. Aus diesem Grund fand ich mich also eine Woche später mit dem Burschen und seinem Kumpel Jannik auf einem schwankenden Bootssteg wieder. Ich schaute in ein noch viel schwankenderes Kanu – und dann in zwei Augenpaare voller Abenteuerlust. Ein letzter Versuch: „Schwimmen könnt ihr beide, oder?“

Das doppelte „Klaro!“ nahm mir die letzte Hoffnung auf einen eleganten Rückzug und so ließ ich mich am starken Arm des Bootsverleiher-Adonis auf die mittlere Sitzbank rutschen. „Rudern müsst ihr“, sagte ich zu den Jungs und fügte mich in mein Schicksal. Elf Kilometer und drei bis vier Stunden lagen vor mir: Vom Leipziger Elstermühlgraben bis zum Hafen Zöbigker auf dem Cospudener See.

Erstaunlicherweise waren meine Bedenken schon kurz nach dem Ablegen wie weggeblasen. Wie Winnetou und sein Blutsbruder tauchten Jannik und Tobi im Takt die Paddel ins Wasser als hätten sie nie etwas anderen getan. Die Tante fühlte sich wie Pocahontas, auch wenn an den Ufern gepflegte Parkanlagen und die Plagwitzer Gründerzeitvillen vorbeizogen. An der Schleuse Connewitz wurde es kurz geschäftig, aber die beiden Paddelhelden hatten schnell die Lage im Griff. Wenig später waren fast alle Zeichen der Zivilisation verschwunden. Der Leipziger Auwald umfing uns mit fast magischer Stimmung. Als hätten sie meine Gedanken erraten, nahmen die Jungs die Paddel hoch und ohne ein Geräusch trieben wir durch die grüne Stille – ein Traum!

Von mir aus hätte es ewig so weitergehen können und drei Stunden schienen mir plötzlich viel zu kurz. Als die Schleuse am Cospudener See das Ende der Bootsfahrt erahnen ließ, konnte ich zumindest noch eine kurzen Umweg herausschlagen. „Wie wär’s mit einem Eis für meine tapferen Ruderknechte?“ Unter großer Begeisterung konnte ich die Jungs so zum Nordufer lotsen, wo wir uns eine gemütliche Pause am Strand gönnten. Und dann ging’s für Pocahontas in den Hafen und mit zwei glücklichen Jungs wieder nach Hause.

 

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Sachsen Tourismus

2 Kommentare

  1. Hallo, wie kommen die Boote wieder zurück zum Stadthafen? Muss man die Abholung vereinbaren oder hat der Stadthafen dort eine weitere „Station“?

    • Hallo Chris, die Abholung müsste individuell mit dem Bootsverleih geklärt werden oder ihr rudert die Strecke wieder zurück 🙂 Viele Grüße

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